Eine Radwanderung

 

"Panta rhei" sagte einst Heraklit und ahnte noch nicht, dass man zweieinhalb Jahrtausende später dieses Prinzip durchbrechen würde. Die Donau, die Perle von Fluss ist hier nur noch eine Perlenkette von Stauseen.

 

Wir kämpfen uns seit fast einer Woche im Wandertempo mit unserem schwerbeladenen Boot über nahezu stehende Gewässer. Dabei verlassen wir nur selten die Auwälder, die den grössten Teil der Strecke säumen. Lediglich Ulm und Lauingen öffnen sich als Städte direkt dem Fluss. Alle fünf Kilometer begibt man sich im Boot sitzend in einer Schleuse 4 - 6 Meter nach unten. Das entsprechende Wehr mit E-werk kündigt sich schon 2 - 4 Kilometer zuvor dadurch an, dass der Ufersaum Betongefasst ist und die Dämme baumfrei gescheitelt sind.

 

 

Davor allerdings, in den Auwäldern, die eigentlich immer gleich aussehen (ausser es zeigt sich die Sonne und hebt die bunten Herbstfarben hervor), werden Eisvögel zum Normalfall ebenso wie Bibernageplätze. Die Biber selbst haben wir noch nicht gesehen, wahrscheinlich aber gehört und anfangs wollten wir es ob der Häufigkeit auch nicht unbedingt glauben, aber es wurde dann doch eindeutig. Silberreiher, Zwergtaucher, Wasseramseln - viele unbekannte Wasservögel, aber auch Schwäne und Stockenten flattern meist auf und fliegen - manche mühsam, manche behende an uns vorbei. Die Taucher tauchen flugs ins Wasser und erscheinen erst viel später an anderer Stelle wieder über Wasser.

 

Es ist schon eindrücklich, diesen Aubereich in dieser tagelangen Ausdehnung hierzulande so anzutreffen. Tagelang - es muss dazugesagt werden, dass wir kaum mehr als 20 Kilometer am Tag schaffen. Wir müssen ja unsere Muskulatur noch üben und die Tage sind schließlich auch nicht mehr die Längesten. Kälte und Regen kann man im Boot ganz gut begegnen, besser eigentlich, als auf dem Rad. Aber die Tage sind kurz und jeder Tagesanfang klamm. Und auch wenn es denn so auf den einen oder anderen Tag nicht ankommt, so gibt es doch Termine. Etwa wird zum 1.November der Schleusenbetrieb im nicht für die Großschifffahrt feigegebenen Bereich eingestellt. Die Schleusen, die wir dann noch nicht haben, müssen wir jedesmal umtragen. D.h. alles ausladen, einzeln um das Wehr herumtragen und anschliessend wieder einladen. Diese Prozedur dauert, wenn es gut geht, eine gute Stunde und so beeilen wir uns um möglichst viele vor dem Termin hinter uns zu bringen.

 

Der Donau vorausgegangen waren vier Tage in der Nähe von Ulm, die wir mit dem Kennenlernen des Bootes und seinen Fahreigenschaften, sowie dem Austüfteln der Fahrradtransportmöglichkeit an einem Badesee verbrachten.

 

Drei Tage später legen wir einen Pausentag in Ingolstadt ein um uns mal wieder aufrecht fortzubewegen und einige Dinge zu erledigen. Die letzten Tage kamen wir immer besser voran und landschaftlich änderte es sich von den immergleichen Auwäldern hin zu ab und an mehr Weitblick, teilweise bewaldeten Höhenzügen und sich nicht mehr so versteckenden Städtchen. Beeilen müssen wir uns auch nicht so sehr wie angenommen, da wir erreichen konnten, dass die letzten zwei Schleusen, bevor in Kelheim die Großschifffahrt dazu kommt, noch offen gelassen werden.