Eine Radwanderung

Wir haben nun also Passau wieder verlassen, die Stadt der Einkaufszentren und Parkhäuser, haben Deutschland hinter uns gelassen, ohne es zu merken. Während in Deutschland an jeder Grenze eines Bundesland darüber informiert wird, ergibt sich Österreich auf dem Wasser einfach so....

Die Österreicher haben aufgrund mangelnder anderweitiger Energieressourcen den Staudammbau  perfektioniert und so beginnt im Unterwasser der einen Schleuse bereits der Rückstau der Nächsten. Das bedeutet für uns, kaum Strömung zu haben, wenn nur kurz, und viel paddeln zu dürfen. So kommt es, dass wir schonmal fast zwei Tage auf einem Stausee rumpaddelten, mühsam mit Gegenwind der viele kleine Wellen wirft, dafür in der Landschaftlich reizvollen und wenig besiedelten Gegend der Schlögener Schlinge - hier kehrt der Fluss zweimal um 180°, eingeschnitten in die Berge, die bilderbuchartig Prallhang und Gleithang zeigen. Die bis ans Wasser reichenden bewaldeten Berge zeigen uns deutlich, dass die bunten Farben des Herbstes nun den Braunen des Winters gewichen sind. Allein die Lärchen strahlen noch gelb aus den Mischwäldern hervor. Auch die Temperaturen gaben uns zwei Tage schon einen Vorgeschmack auf den nahenden Winter. So ist es im Boot aufgrund der Bewegung meist schön warm, sobald man dieses aber verlässt, muss man zusehen sich warmzuhalten. Insofern wurden die Mittagspausen vorerst aufs Wasser verlegt und wir steigen nur zum Wasserlassen aus.  Auch der Teekonsum steigert sich stetig.

Was Österreich auch bedeuten kann, wurde uns am dritten Abend klar, als wir in einem kleinen Ort auf einer Bank sitzend überlegten ob wir gleich oder später kochen sollen und dann von der Polizei überrascht wurden, die zwecks Personenkontrolle angefahren kamen. Wir hatten vorher eine Runde durch die sieben Häuser des Ortes gedreht, wobei man uns wohl gesehen und gleich die Gendarmerie erbeten hatte. Soetwas kennt man sonst nur aus einem gewissen Bundesland im Südosten.

So wie sich die große Welt der Herausforderungen scheibenweise uns zeigt, ist nun die Zeit der kleinen Kahnschleusen oder Bootsrutschen vorbei. Ab jetzt müssen wir entweder umtragen oder uns in der grossen Schleuse schleusen lassen. Das Umtragen mit einer sogenannten Ruderbootumsetzanlage, die aus Rampen im Ober- und Unterwasser besteht, ergänzt durch Bootswagen (falls sie noch nicht eingewintert sind) haben wir in Jochenstein unter vielem Fluchen und Schwitzen hinter uns gebracht mit der festen Vornahme uns fortan nur noch schleusen zu lassen. Die Bootswagen scheinen nicht für ein Boot mit unserer Zuladung gemacht und waren zum einen viel zu klein, zum anderen die Rampen recht steil, dass wir gut bremsten mussten. Das erste Mal in einer grossen Schleuse (240m * 24m) war noch alleine, das zweite Mal mit drei grossen Kollegen. Zumal in der Dunkelheit, schließlich findet sich im Oberwasser kaum eine wellenschlagfreie Bucht zum Übernachten. Bei Hubhöhen von 12 - 16 Metern ist der Staubereich so eingedämmt, dass eine Ausuferung in stille Buchten keinen Sinn macht. Zuflüsse , die früher hier zuflossen, werden jetzt hinter dem Deich am Wehr vorbei geführt. Während man sich in Fahrt so zu den Wellen stellen kann, dass man meist trocken bleibt (ausser bei "Gerdi" und "Dunav 3") würde unser Baikal des Nachts am Ufer vollgespült und zerschlagen. So sind wir mit der Grossschifffahrt gezwungen uns immer eine ruhige Bucht oder einen Zufluss zu suchen in welchen man einfahren kann.

Dass wir dann Letztens doch arg in die Dunkelheit kamen, hatte allerdings den schönen Effekt, endlich einmal Meister Borkert zu Gesicht zu bekommen. Ein Biber schwamm wenig vor dem Boot von back - nach steuerbord, bemerkte uns erst spät und zeigt uns, dass der Platsch, den wir sonst schon häufig gehört hatten, tatsächlich von ihm ist. Er taucht tief ab und schlägt mit seinem Schwanz dabei kräftig aufs Wasser. Kurz darauf tauchte er wieder vor uns auf und wiederholte das Spiel. Dann war er weg. Wir hatten ja schon von Bibern erzählt und Bilder gezeigt - hatten aber selber nie gedacht, dass sie so flächendeckend vorkommen und sich selbst in Stadtbereichen bewegen.

Jetzt sind wir in Linz, Kulturhauptstadt Europas 2009, wieder regnet es an dem Tag, an dem wir in der Stadt verweilen.  Unseren Baikal haben wir gut angeschlossen im Winterhafen gelassen in welchem um diese Jahreszeit kaum Betrieb ist. Die meistgestellte Frage, warum wir denn ausgerechnet um diese Jahreszeit fahren können wir nur erklärend beantworten und es trotzdem genießen.