Eine Radwanderung

Als wir vor zwei Wochen, nach einem langen Stadtaufenthalt Budapest verließen  - das neueste selbstgebackene Brot im Gepäck aus dem dunkelsten Mehl  was in der Stadt aufzutreiben war - ahnten wir noch nicht, dass wir nocheinmal zurückkommen würden.

 

Nach Weihnachten  war es in Budapest langsam immer kälter geworden. Wir verbrachten die Zeit mit Besorgungen und schauten noch einiges an. Die letzten drei Tage verbrachten wir bei einer Freundin und konnten in deren Küche  unseren Backdrang ausleben und nebenher die neuen Selbstbauspritzdecken entwerfen und zuschneiden. Gebacken wurde vor allem Brot, da es uns schwer fällt, das hier übliche immergleiche Weissbrot lieb zu gewinnen. Dem neuen Jahr sahen wir von der nahegelegenen Burg aus entgegen, voll Spannung was es uns bringen wird und mit juckenden Händen, die auf die Weiterfahrt warteten.

 

Und das neue Jahr hielt auch gleich einige Erlebnisse für uns bereit. Durch die langanhaltende Kälte begannen etwa mit unserer Abfahrt die Nebenflüsse zuzufrieren und für die abendliche Nachtlagersuche konnten wir uns bald nicht mehr an Nebenarmen oder Inseln orientieren. Nun hieß es möglichst einen Sandstrand zu finden, an dem wir das Boot zumindest teilweise herausheben konnten. Das vorweihnachtliche Hochwasser ist wieder zu Niedrigwasser geworden und wir konnten nun das Sinken über Nacht beobachten. Manchen Morgen war der Weg ins Wasser weiter als am Abend vorher der Weg hinaus und nicht nur einmal mussten wir unser Boot erst vom Eis befreien und den Weg ins offene Wasser freihacken.

 

Wir selbst kommen mit den Temperaturen ganz gut zurecht, lassen uns von der winterlichen Schönheit der Flusslandschaft faszinieren und unsere Schlafsäcke nähern sich erst dem Komfortbereich. Das bedeutet sie wärmen uns gut , da fällt eher das Aufstehen schwer. Für Wärme sorgten unzählige Lagerfeuer, die wir neuerdings auch erfolgreich zum Kochen nutzen und uns einen stetigen Teenachschub erleichtern. Auch landete mal wieder ein Fisch darauf, den uns zwei von unserem Boot begeisterte Fischer eines Abends schenkten. Dieser war so gross, dass er uns für zwei Mahlzeiten reichte.  Das Zelt bzw. den Schlafsack teilen wir nächtens nun mit Flaschen voll Trinkwasser und unserem Gemüse. Eis trinkt sich so schlecht. An den Paddeln bildeten sich mit der Zeit kleine Eiszapfen und wenn nicht gerade die Sonne für etwas Wäerme sorgte, fror das Wasser sobald etwas auf das Boot tropfte.

 

Winterfaszination, die sich steigern laesst. Eines Tages begegneten uns immer wieder kleine Eisstücke, die um uns herum schwammen. Diese waren klein und selten und liessen sich gut handhaben. Am nächsten Morgen mussten wir uns aber erstmal die Augen reiben als wir aus dem Zelt schauten. Aus den kleinen Eisstückchen waren große geworden und mehr, die so einen beträchtlichen Teil der Donau bedeckten und uns an unserer Weiterfahrt zweifeln liessen. Wir packten dennoch das Boot und begaben uns ins Getümmel. In Schlangenlinien fuhren bzw. trieben wir um das Eis herum. An Paddeln war nicht wirklich zu denken, da wir schneller als das Eis gewesen und mit ihm kollidiert wären.

So kamen wir immerhin bis in die Naehe von Paks, einer kleinen Stadt, wo wir beschlossen erstmal abzuwarten und ein paar Informationen über dieses Phänomen und seine ungefähre Dauer einzuholen. Leider konnte keiner mit einer wirklichen Information dienen, geschweige denn eine Prognose treffen. Paddler bzw. Sportbootfahrer an sich sind im Winter nicht vorgesehen und der Eisdrift beeinträchtigte die Binnenschifffahrt hier nicht zu stark.Wir richteten uns nach Abwägung aller Alternativen erstmal auf einige Tage Zwangspause ein. Wollten den Fluss noch nicht verlassen, wo er hier so gut fliesst. 

 

 Das Eis wurde die nächsten Tage noch mehr, bis ein Grossteil des Flusses bedeckt war und fast um uns Langeweile zu ersparen, wurde uns eines Nachts ein Teil unseres Gepaecks gestohlen. Neben dem Verlust einiger Radtaschen wiegt vorallem das Verschwinden persönlicher Dinge schwer, die nicht ersetzbar sind, für Andere aber keinen Nutzen haben. So sind wir nun mit Organisieren und Wiederbeschaffen des Nötigsten beschäftigt und aus diesem Grund mit dem Bus nocheinmal für zwei Tage nach Budapest gefahren. Wir bemühen uns es als weitere Erfahrung zu sehen, aus unserem Fehler und Leichtsinn zu lernen ohne das Vertrauen in die Menschen um uns herum zu schmälern.

Ausgleichend gibt es aber immer wieder schöne Erfahrungen und Gesten. Wir bekamen einen sicheren Zeltplatz am Hafen angeboten, videoüberwacht, und wurden vom Hafenmeister und seiner Frau, die zufällig Zimmerkollegin des für unseren Fall zuständigen Polizisten ist,  mit Winterklamotten ausgestattet.  Auch in der Bücherei, wo wir das Internet nutzen konnten, hatte man uns irgendwie ins Herz geschlossen und sich geweigert uns bezahlen zu lassen.

 

Dort wurden wir eines Tages mitten am Vormittag von einem Zeitungsteam überrascht, welches ein Interview und Fotos von uns wollte. Etwas überrumpelt willigten wir ein und mussten währenddessen feststellen, dass auch schon ein Fernsehteam dabei war sich einzurichten. Also wurde auch dies noch bewältigt und wir sind auf das Ergebnis gespannt, schliesslich sind wir auf dem Gebiet völlig unerfahren. Eingebrockt hatte dieses Ereignis uns ein netter Herr mit dem Matthias sich während eines Schwimmbadaufenthaltes unterhalten hatte.

 

Nach all diesen prägenden Ereignissen, werden wir hoffendlich Anfang nächster Woche weiterfahren können. Das Eis ist hier, dank milder Temperaturen fast gänzlich verschwunden und wir wünschen uns nun eine ruhigere Etappe auf dem Weg nach und in Serbien.