Eine Radwanderung

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Istanbul, die einzige Stadt die auf zwei Kontinenten liegt, will sich nicht einordnen lassen. Nicht in das Eine und nicht in das Andere. So hat man hier das Gefühl sich in einem lebendigen Gemisch aus Allem zu befinden. Ecken an denen es mindestens so europäisch ist wie bei uns und Viertel in denen man sich schon viel weiter im Osten wähnt als man ist. Viele Extreme mischen sich und machen die Stadt zu einer der lebendigsten und vielfältigsten die wir bisher erlebt haben. Nur eines ist schwer zu finden - Ruhe. Selbst wenn man sich zu einem Tee zurückzieht oder auf einer Bank ausruhen will, das Leben tanzt um einen herum, nimmt die Augen mit und hinterlässt das Gefühl gar nicht genug Platz zu haben um alle Eindrücke aufnehmen zu können. Einzig auf den Fähren, die durch ihren ununterbrochenen Verkehr für den Austausch zwischen den Kontinenten sorgen, geben einem die Möglichkeit sich zurückzulehnen und quasi von außen einen Blick auf diese Stadt zu werfen. Auf uns hinterlässt Istanbul vorallem einen Eindruck, turbulent und laut - wobei wir immer wieder staunend diese Mischung aus scheinbar chaotischem Drunter und Drüber mit einer großen Portion Gelassenheit bewundern.

 

Und Istanbul ist ein Paradies für Radfahrer. Für Radfahrer, die Berge lieben, Serpentinen aber für unnötig erachten, die den lebendigen Austausch mit den Fahrern motorisierter Blechkisten lieben - gipfelnd in bis zu sechsspurigen Autostraßen mit vielen Ein- und Ausfahrten wo Schlangen von Autos sich mischen und wieder trennen, kommunizierend vorallem mit Hilfe ihrer Hupe. Für Radler, die ihre Bremsen lieben und das Wechseln der Bremsbeläge und die die Fähigkeit besitzen, eine Vielzahl von Eindrücken, Geräuschen und Vehikeln innerhalb kürzester Zeit zu verarbeiten und all dies noch als Entspannung zu empfinden. All diejenigen werden sich pudelwohl fühlen hier - nur leider wenige Kollegen treffen, denn all diese Herausforderungen reizen den Istanbuler nicht gerade, das Fahrrad als Verkehrsmittel einzusetzen.

Man sagt, Istanbul sei auf sieben Hügeln gebaut - mal abgesehen davon, dass das auch andere Städte von sich behaupten, hat man wohl beim Zählen einige Hügel vergessen. Davon konnten wir uns überzeugen, als wir beim Umziehen vollgepackt eine mehrstündige Extrarunde drehten, nachdem ich mich mit der Adresse geirrt hatte.

 

Durch die Hilfe von Freunden konnten wir hier bei deren Freunden wohnen die uns die großherzige türkische Gastfreundschaft entgegenbrachten, viele viele Fragen beantworteten und einen Einblick in ihr Leben gaben.

Burkay studiert Geschichte an einer der besten Privatuniversitäten des Landes. Er wohnt mit zwei Freunden und einer jungen Katze auf ungefähr dem höchsten Berg Istanbuls in einer WG, die ein lebendiger Treffpunkt für viele Freunde, Cousins und Brüder ist. Er war unser erstes Opfer bei der Beantwortung vieler Fragen und uns wurde bewusst, wie verschieden die Geschichte unserer beider Länder ist. Eine Uni sieht hier etwas anders aus als wir es kennen und als wir am ersten Abend vor deren Toren auf Burkay warteten waren wir sehr irritiert ob des Sicherheitswahns der dort herrschte. Hintergrund war ein Bombenalarm am gleichen Tag mit Durchsuchung der ganzen Uni und nun fürchtete man, dass wir das Gelände betreten wollten, was die Sicherheitsleute angesichts unserer vollgepackten Räder nicht gerade fröhlich stimmte. Glücklicherweise wollten wir das Gelände nicht betreten. Das Campusgelände ist komplett von einer hohen Mauer umgeben, die Eingänge werden von Sicherheitsleuten bewacht die jeden kontrollieren der das Gelände betreten will. Hat man diese Hürde erstmal überwunden, ist man angenehm überrascht von den erst 1996 errichteten Gebäuden die trotz ihrer Größe einen gewissen Charme haben mit ihren Fassaden aus roten und gelben Sandsteinen. Drumherum viel Grün, Bäumen und Wiesen zum pausieren.

Wir lernten die Bibliothek sehr schätzen, nachdem unsere Homepage abgestürzt war und wir dort mehrere Tage verbrachten um zu retten was zu retten war.

 

Nach einigen Tagen zogen wir um zu Cemil. Ebenfalls auf asiatischer Seite wohnt er 300 Meter vom Bosporus entfernt mit Blick auf diesen. Cemil arbeitet für ein Bergbauunternehmen und ist als Vertreter für die östlichen Länder viel unterwegs. Von hier aus starteten wir unsere touristischen Unternehmungen, schließlich will man auch was sehen, wenn man schonmal da ist. Allerdings ist es bei allem was zu bewundern ist auch recht anstrengend, im Touristenstrom zu schwimmen und als potenzieller Teppich-, Schmuck- oder Schalkäufer die Aufmerksamkeit jedes Verkäufers auf sich zu ziehen.

Uns gefiel die blaue Moschee am besten, die mit ihrem riesigen Teppichboden und wunderschönen Mosaiken zeigt, dass es nicht unbedingt möglichst harter Bänke bedarf. um seinen Glauben auszudrücken.

Nach zehn Tagen Stadtleben haben wir erstmal genug, längst nicht alles gesehen und somit noch etwas für das nächste Mal und freuen uns auf die Türkei jenseits von Istanbul.