Eine Radwanderung

Oybek – Batken [Bilder]

 

 

Nord Tadjikistan

Tadjikistan war für uns immer mit dem Pamir verbunden, der Gegend, von der viele begeistert berichten und die die vielleicht meisten Touristen in diesem Land anzieht. Über den Norden des Landes, der eingequetscht zwischen Usbekistan und Kirgistan liegt und der nur über ein schlechte Straße mit hohen Pässen in den Sommermonaten mit dem Rest des Landes verbunden ist, hatten wir vorher nicht viel erfahren können. Zwar hat diese Region nicht gerade viel touristische Highlights zu bieten, dafür aber sehr herzliche Menschen, schöne sanfthügelige Landschaften und jetzt zur Erntezeit jede Menge leckerste Früchte. Mehr braucht es nicht um von uns ins Herz geschlossen zu werden.

 

Tadjikistan ist die Kleinste der Zentralasiatischen Republiken und rutschte mit der Unabhängigkeit erstmal in einen Bürgerkrieg, der die ohnehin schon ärmste Republik der ehemaligen Sowjetunion  in ihrer Entwicklung um viele Jahre zurückwarf. Mittlerweile ist Ruhe eingekehrt – weitgehend, die Lage an einer der weltgrößten Drogenrouten macht die Situation auch weiterhin nicht gerade einfach und unglaubliche 40 % des Staatshaushaltes werden für die Grenzsicherung zu Afghanistan aufgewendet. Da bleibt nicht viel und es verwundert nicht, dass von vielen Familien mindestens einer in Russland arbeitet um die Familie daheim zu ernähren.

 

Tadjikistan_25Der Norden hatte es schon immer besser. Ursprünglich und ethnisch zu Usbekistan gehörend, wurde er der Tadjikischen Sowjetrepublik zugesprochen, um den Verlust der eigentlich tadjikischen Städte Bukara und Samarkand zu mildern und um die erforderliche Bevölkerungszahl für eine eigenständige Sowjetrepublik zu erreichen. Durch ihre abgelegene Lage vom Bürgerkrieg weitgehend verschont, ist diese Region heute die wohlhabenste des Landes. Ein Drittel der Bevölkerung erwirtschaftet hier auf 75 % der ackerbaren Flächen zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes. Und entsprechend ist jedes Stückchen bewässerbaren Landes landwirtschaftlich genutzt. Um Khujand, die Bezirkshauptstadt, im Tal des Syr-Darya gelegen, wird hauptsächlich Reis angebaut, aber auch wieder Baumwolle, Früchte und Gemüse. Richtung Süden scheint das Klima besonders für Zwiebeln geeignet und auf den Feldern neben der Straße stapeln sich die Säcke, viele Frauen, sind mit dem Säubern und Abpacken von ihnen beschäftigt.

 

Auch hier gibt es viele Esel, die für den Transport von allem Nötigen hergenommen werden, momentan auch viel Winterfutter, das aus ganzen, auf dem Feld getrockneten Mais- oder Hirsepflanzen besteht.

Am meisten begeistern uns aber die Früchte, die an vielen Straßenständen und Märkten angeboten werden. Oft bekommen wir kiloweise Trauben oder Melonen einfach geschenkt, Gegenwehr zwecklos und wenn wir bezahlen, sind wir erstaunt über die Wertlosigkeit der Feldprodukte von denn ein Kilo nur wenige Cent kostet.

 

 

Khujand im Schaschlikrauch

Da es mit Matthias Knie soweit zu gehen scheint und der Verkehr eher spärlich ist, fahren wir auch weiter mit dem Fahrrad. Unser erster Anlaufpunkt ist die Stadt Khujand bis wohin wir über steppenartige Landschaft fahren. Der Herbst hat sich schon seit Usbekistan langsam eingeschlichen. Erst Trauben, dann mischen sich die ersten Kürbisse zwischen die Melnen, der ein oder andere Baum beginnt sich gelb zu färben und abends wird es schon deutlich kühler. Kurz vor der Stadt haben wir dann den ersten richtigen Herbsttag, es ist eben doch schon Mitte Oktober mit viel Wind und Kälte. Wir kramen unsere dickeren Sachen wieder heraus und ich wäre gerne auch an die Mütze herangekommen, allein sie ist noch ganz unten mit den Wintersachen vergraben. Von dieser Ausnahme abgesehen, gestaltet sich der Herbst als sehr angenehme Reisezeit. Tagsüber ist es sonnig und warm, von Regen kein Spur, abends wird es schon kühler aber noch nicht richtig kalt.

 

Tadjikistan_13In Khujand beziehen wir, um das Knie noch mal zu schonen, noch einmal für zwei Tage ein Hotel. Und weil das Billigste ein schäbiges Basarhotel ist, haben wir nur wenige Schritte um mittendrin zu stehen im quirligsten Bereich der Stadt. Besonders mittags ist hier sehr viel los und der ganze Platz verschwindet in einer stickigen Nebelwolke, produziert von unzähligen Schaschlikständen an denn die Männer fleißig fächern um ihren Glut unter den Spießen rot zu halten.

 

Der Basar bildet oft einen Mittelpunkt der Städte. Hier ist von morgens bis abends viel los und hier befinden sich viele einfache und billige Restaurants. Kebab und Fleischspieße stehen hoch im Kurs, dazu Brot und Tee, serviert in einm einfachen Unterstand aus Plane mit einigen Tischen und Bänken. Noch einfacher geht es, wenn man einfach eine große Schüssel mit Plov (Reisgericht) von zuhause mitbringt, dazu Brot und Tee und zwei Bänke. Vielfach gibt es Mittags auch allerlei Fritiertes im Teigmantel. Würstchen, Kartoffeln, Leber oder feingehacktes Fleisch umgeben von Teig und von Fritierfett triefend, aber gar nicht so schlecht. Das ist unsere Nachbarschaft und den Gang teilen wir uns mit der duschanbeer Fussballmannschaft.

 

Die Stadt selber hat nicht zu viel zu bieten. Eine Moschee mit Mausoleum, viel kommunistische Statuen, darunter den größten Lenin Zentralasiens, und den Syr-Darya, nicht größer als der Neckar in Heidelberg aber uns kommt er sehr groß vor hier in den trockenen, flussarmen Gegenden.

Wenn man so reist wie wir, bieten Städte abgesehn von ihrem Sightseeingwert einen großen Anziehungswert. Dieser ist umso größer je länger man vorher durch einsames Gelände gefahren ist und je größer die Sehnsucht nach einer großen Lebensmittelauswahl ist. Beides ist bei uns jetzt nicht der Fall, nachdem  wir so lange Zeit in Samarkand verbracht haben. So bietet die Stadt nicht viel Reizvolles und wir ziehen es vor wieder unterwegs zu sein. Da wir aufgrund unserer Visadaten elf Tage Zeit haben bis wir nach Kirgistan einreisen dürfen und der Weg dorthin nicht weit ist, machen wir einen Abstecher in die kleine Stadt Istaravshan.

 

 

Dichter und Wrestler in Istaravshan

Nach dem Ende der Sowjetunion wurden viele Straßen- und Städtenamen geändert, die Russischen durch Tadjikische ersetzt um der eigenen Nationalität Nachdruck zu verleihen. Städte wechseln ihre Namen öfter in diesen umkämpften Gebieten, bis sich der neue Name aber auch in der Bevölkerung durchgesetzt hat, dauert es seine Zeit und hier spricht jeder noch von Leninabad statt Khujand und von Ura-Tyube statt Istaravshan.

Letzter wollen wir besuchen, da sie in unserem Reiseführer als sehr schöne, sehenswerte Altstadt beschrieben wird. Wir sind gemütlich unterwegs, der Verkehr angenehm ruhig und die von Chinesen gebaute Straße neu und perfekt glatt.

 

Wir übernachten am Anfang der Stadt hinter einer Straßenkontrolle der Polizei. Während den Helfern beim Händedruck Scheine übergeben werden, erzählt uns ein Polizist von seinem Freund, einem in Tadjikistan geborenen Deutschen. Mit der Unabhängigkeit sei dieser mitsamt seiner zwölf Kinder nach Deutschland übergesiedelt. Nach fünfzehn Jahren dort ist er aber wiedergekommen mit der Erkenntnis, dort sie es zu demokratisch für ihn, er könne nicht dort leben wo zwei Männer oder zwei Frauen einander heiraten dürfen. Das ist sein Wissen von Deutschland und er ist amüsiert über meine Ausführungen, während seine Frau mir resolut beipflichtet als ich meine, dass auch Religion und Staat Gefühle nicht verhindern könnten, eigentlich träumt er auch von einer zweiten Frau, meint sie.

 

Tadjikistan_22Die Stadt ist ganz nett, mit einigen in engen Gassen versteckten Medresen und Moscheen. Die Altstadt besteht aus Lehmhäusern mit engen verwinkelten Gassen, die Kinder scheinen zu wissen wohin wir wollen und geleiten uns zur nächsten Sehenswürdigkeit. Immer wieder bilden wir den Mittelpunkt von Menschenansammlungen, jeder will wissen woher, wohin und warum und während die Ältern mit uns reden, starren die Kinder uns einfach nur an.

Hier jährt sich unser Aufbruch von Zuhause und während wir dieses Ereignis mit Torte und Kaffee feiern, erinnern wir uns an die vielen Tage und Stunden, an viele schöne Erlebnisse, manchmal auch unschöne, und an die vielen lieben Menschen deren Begegnung das Reisen so unendlich bereichern und die uns einen Augenblick an ihrem Leben teilhaben lassen.

 

Auch hier sind es die Begegnungen die uns das hiesige Leben zeigen. George sieht uns auf der Straße und da er etwas Englisch spricht und sich gerne über verschiedene Kulturen austauscht, lädt er uns zum Tee ein. Dabei erfahren wir so einiges über die Familienstrukturen und Traditionen. Auch hier liegen Haus und Hof hinter hohen Mauern. Den Mittelpunkt bildet ein Hof um den herum verschiedene Gebäude angesiedelt sind. Wir werden in einen Vorraum gebeten, wo wir auf einem Podest auf weichen, bunten Matten sitzen. George erzählt freimütig, dass er für seinen Sohn die Braut ausgesucht habe und dass man 3000 – 4000.- Dollar Brautpreis zahlen müsse. Nicht wenig in einem Land  in dem der Durchschnittslohn bei 50.- Euro liegt und man damit gerade mal seine Familie ernähren kann. Die Töchter ziehen, wenn sie heiraten, zu ihrem Mann. Für die Söhne müssen die Eltern ein Haus bauen, nur der jüngste Sohn bleibt mit seiner Frau bei den Eltern wohnen. Sein Pflicht ist es, für die Eltern zu sorgen wenn sie alt sind. Hier bilden die Kinder die soziale Stütze, kein Wunder, dass manch einer geschockt ist über unser sorglose Verneinung auf die Frage. Hier bedeuten Kinder alles.

 

Ein anderes Mal setzt sich in einem Teehaus ein Mann zu uns. Er entschuldigt sich, aber er sei Dichter und würde uns gerne sein Buch schenken. Dieser Mann weiß nichts von uns, er sieht lediglich, dass wir Ausländer mit Fahrrädern sind und auch dürfte ihm klar sein, dass wir nicht ein Wort Tadjikisch können. Trotzdem ist es ihm wichtig uns ein Buch zu schenken und stolz zeigt er uns Zeitungsartikel die in Russland über ihn erschienen sind.

So etwas ähnliches ist uns im Iran schon mal passiert, als auch dort ein Dichter uns zwei Exemplare seines Gedichtbandes in die Hand drückte. Sie haben später einen glücklichen, neuen Besitzer gefunden.

 

Dies sind seltsame Begegnungen, denn wir können nur mutmaßen, warum es den Menschen wichtig ist etwas so Persönliches mit uns Fremden zu teilen.

Am Abend folgt noch eine Begegnung dieser Art. Nach einen Einkauf unterhalten wir uns mit einem jungen Mann und plötzlich packt dieser zehn brandneue Pässe aus einer unscheinbaren Plastiktüte. Er erzählt, dass er Wrestler sei und in Kürze nach Usbekistan zur Weltmeiserschaft fahren würde. Die Pässe gehören ihm und seinen Kollegen und stolz zeigt er uns die usbekischen Visa. Er erzählt welche Nationen sonst noch anreisen und wir wünschen ihm viel Glück und Erfolg.

 

 

Baumwolle und weltbeste Aprikosen

Tadjikistan 226Von Istaravshan geht es ein Stück zurück auf der gleichen Straße, bevor wir Richtung Osten und Grenze abbiegen. Für uns ist es auch mal interessant, eine Strecke zweimal zu fahren und zu erleben wie sehr sich die Wahrnehmung ändern kann. Eine vorher große steppenartige Ebene ist plötzlich in kurzer Zeit durchquert und die Obsthändler am Straßenrand kennen uns ja schon. An einer Stelle stehen Männer mit kleinen Schlangen, die sie den Autos entgegenhalten. Bei der Hinfahrt schon verwundert, halten wir nun an um uns zu erkundigen was man denn mit den Schlangen machen solle. Die Antworten erscheinen uns nicht immer ganz ernsthaft, aber die Schlangen sind wohl zum Essen gedacht, zu Suppe verarbeitet wirken sie als Medizin gegen alles Mögliche. Umgerechnet neun Euro soll eine kosten. Die Schlangen werden wild gefangen und als einer der Männer dann anfängt das erweiterte Sortiment in Form von verängstigten Igeln aus dem Kofferraum zu holen, haben wir genug und fahren lieber weiter – ohne Schlange.

 

Trinkwasser kommt selten aus der Leitung, oft aus Brunnen oder Kanälen und wir entkeimen es wieder. Das tun die Einheimischen nicht und als wir eines Abends nach Wasser fragen werden wir zum nächsten Kanal geschickt. Das sei sauberes Trinkwasser wird uns versichert. Wir packen doch unseren Filter aus und sind erstaunt als ein Lieferwagen dicht an den Kanal fährt, der Fahrer einen Eimer auspackt und sein Auto mit dem sauberen Trinkwasser zu waschen beginnt. Gut, uns betrifft es nicht und sehr sauber kam uns das Wasser vorher auch nicht vor, entsetzt sind wir dennoch über diese Rücksichtslosigkeit, denn weiter unten nehmen die Menschen das Trinkwasser auch direkt aus dem Kanal.

 

Wir nähern uns dem Kayrakkum-Reservoir, einem Stause der durch Stauung des Syr-Darya entstanden ist, von den Einheimischen liebevoll Meer gennant. Hier wird jeder Fleck landwirtschaftlich genutzt, Schlafplätze sind nicht immer leicht zu finden und am liebsten lassen wir uns unter Aprikosenbäumen nieder. Davon gibt es hier sehr viele und da der Erntezeitpunkt schon eine Weile her ist, müssen wir uns mit dem Trockenprodukt begnügen. Begnügen ist gut, denn schnell sind wir uns einig, noch nie so gute getrocknete Aprikosen gegessen zu haben. Sie sind sehr süß, fast kristalliert und mit Stein getrocknet. Diesen kann man hinterher auch noch knacken und den süßen Kern essen, wenn man ihn nicht aufhebt, um ihn nach Hause zu schicken.

 

So landen wir auf dem Grund einer Kolchose, mal wieder unter Aprikosenbäumen und Besuch von netten Arbeitern lässt nicht lange auf sich warten. Wir sitzen lange zusammen abends, lassen uns die geschenkten Aprikosen schmecken und erzählen von Deutschland. Den nächsten Tag siedeln wir um, werden von den Kolchosenarbeitern zum gemeinsamen Essen eingeladen, bekommen alles gezeigt und fragen interessiert.

 

Tadjikistan_30Früher waren alle Kolchosen genau gleich organisiert und staatlich, heute sind sie privatisiert und die verschiedensten Organisationsformen mischen sich. Während die Arbeiter früher ein festes Gehalt erhielten, bearbeiten sie nun ihnen zugeteiltes Land und müssen als Pacht einen nicht unerheblichen Teil der Ernte abliefern. Andere Kulturen wie beispielsweise Baumwolle werden von der Kolchose angebaut und die Frauen bekommen für das Pflücken Akkordlohn. Zwei Brigadiere verwalten und organisieren die 80 h Wirtschaft. Das Mittagessen wird von einem der Männer gekocht, es gibt Plov, ihre Leib- und Magenspeise wie sie uns mehrfach erzählen. Plov ist ein Reisgericht mit etwas Fleisch, etwas Möhren und Zwiebeln, hier über dem Feuer gekocht und sehr fettig. Serviert wird es auf großen Tellern von denn sich alle gemeinsam bedienen, auch die vier Trinkschälchen werden reihum von allen benutzt.

 

Baumwolle_10Wir dürfen in einem freien Zimmer schlafen und nachdem am Nachmittag unser Wunsch mit den Frauen Baumwolle zu ernten nicht wahrgenommen wurde, klingelt am nächsten Morgen der Wecker früh, denn ich will die Frau des hier lebenden Paares, die anderen Arbeiter wohnen einige Kilometer weiter im Dorf, zum Sammeln begleiten. Baumwollesammeln ist Frauensache und auf dem Weg zum Feld treffen wir die ersten Kolleginnen mit Tüchern für die Baumwolle bepackt. Da sie den ganzen Tag in der Sonne auf dem Feld arbeiten, vermummen sich die Frauen fast gänzlich um nicht schwarz zu werden wie sie sagen. Zum Sammeln haben sie große Tücher mit Bändern an den vier Ecken die man sich so um den Bauch bindet, dass eine Art Schürze entsteht, in die man die Baumwolle legt. Dann geht es los. Immer eine erntet in zwei Reihen gleichzeitig, pflückt die reifen, weißen Samenhaare, lässt sie in die Tasche wandern und das geht immer weiter. Als die ersten Reihen fertig sind, ist die Schürze schon recht schwer und man leert sie in ein Tuch um Platz für die nächste Reihe zu haben. Zwischendurch wird geschwatzt, mal ist es ruhig und die Frauen sind amüsiert als später auch Matthias zum Pflücken kommt. Drei Stunden und Reihen später haben wir einiges gepflückt, der ungeübte Rücken macht sich bemerkbar und wir stellen fest, dass Radfahren ganz schön entspannt und abwechslungsreich ist. Die Frauen machen diese Arbeit jeden Tag, acht bis zehn Stunden in denen etwa 100 Kilo zusammenkommen (dafür bekommt man 3,30 Euro), sechs Wochen lang. Danach kommt noch Reis und dann der Winter.

 

Es ist wirklich kein einfaches Leben hier und ein zweijähriges Kind bei uns besitzt wohl mehr Dinge als ein Ehepaar hier. Trotzdem tun wir den Menschen leid auf unseren Fahrrädern, kennen sie doch nur sehr alte und entsprechend schwergängige Exemplare, und das Wenige was man hat wird gerne geteilt. Wir steuern bei was wir haben und verabschieden uns nach eineinhalb Tagen bei der Kolchose herzlich und mit wieder neuen Erfahrungen.

 

Tadjikistan_37Wir besuchen das Reservoir, baden ist allerdings sinnlos da man ewig laufen kann ohne dass man ein nennenswerte Tiefe erreichen würde. Schön ist es trotzdem und wir zelten in der Nähe. Am nächsten Morgen als gerade die Dämmerung beginnt, hält ein Motorrad auf dem Deich neben uns, ein Mann stapft den Hang herunter und eine Plastiktüte landet neben dem Zelt. Ohne ein Wort verschwindet er wieder. Das waren zwei Jungs die sich am Abend vorher mit uns unterhalten hatten und uns Fisch versprachen, und nun brachten sie ihn. Wir waren noch zu schlaftrunken um schnell genug reagieren und uns bedanken zu können, genossen den Fisch aber sehr der für zwei Mahlzeiten reichte. Als beim Frühstück das nächste Auto kam und die Männer uns fragten ob wir Fisch bräuchten, lehnten wir entschieden ab, vier Stück sind genug und wir wollen ihnen ihren Fang ja nicht wegessen.

 

An einer Stelle führte die Straße für einige Kilometer bereits durch kirgisisches Gebiet, ohne Anzeichen und Vorwarnung und Ausweichmöglichkeit. So hatten wir einen kleinen Vorgeschmack und da Kirgisen und Tadjiken keine Problem miteinander haben, mischt sich ohnehin viel. Die Märkte werden von Menschen aller drei Länder besucht und es wohnen auch viele Usbeken hier in Nordtadjikistan. Nur mit Usbekistan ist man nicht immer Freund und wir waren reichlich entsetzt, als uns am letzten Abend das Gerücht erreichte, wir könnten wahrscheinlich nicht zur Grenze, usbekische Terroristen seien dazwischen unterwegs. Die Nacht war nicht gerade beruhigend, schließlich haben wir mit unseren Visa keine anderen Möglichkeiten als jetzt hier die Grenze zu überqueren. Am nächsten Tag stellte es sich dann allerdings als nicht ganz so heikel heraus, drei Tage vorher hatte es in der letzten Stadt, Isfara, einen Zusammenstoß zwischen den Mitgliedern einer fundamental islamischen usbekischen Gruppe und der Polizei gegeben. Vermehrte Präsens ist zwar latent spürbar, wir kommen aber gut bis zur Grenze, wo wir fünf Meter hinter dem Tor von den kirgisischen Soldaten gefragt werden wie es uns in ihrem Land gefalle.

Nun, davon berichten wir das nächste Mal.