Eine Radwanderung

Vientiane - Muang Ngeum (Laos) [Bilder]

 

 

Eins, zwei, drei ..... viele Radler

Von Vientiane aus geht es nach Norden. Eine geringe Straßendichte macht es Unentschlossenen leicht, denn zur Straße Nummer 13 als Verbindung nach Norden und damit nach China gibt es kaum Alternativen.

Anfangs durch dicht bebautes Ackerland, geht es bald über die ersten Berge. Wir tauschen die dichte Besiedelung um Vientiane, die vielen Vats und überall frischen und kalten Zuckerrohrsäfte gegen grünen Dschungel, kleine Dörfer und gelegentlich einen erfrischenden Fluß.

Doch die Ruhe währt nicht lange, denn schon bald werden Karstberge sichtbar und wir erreichen Vang Vieng, die Partymetropole von Laos.

Hier kann man seine Tage damit verbringen, sich in einem aufgeblasenen LKW-Reifen den Nam Song hinuntertreiben zu lassen - Tubing - diese Aktivität hat dazu geführt, dass dieser Ort zu einem der größten Touristenmagneten, insbesonderer junger Backpacker, in  Laos geworden ist. Begleitet von jeder Menge Alkohol und viel nackter Haut, kann man jene Laoten verstehen, die von dieser Dauerparty nicht gerade begeistert sind. Aber man kann auch Klettern, Mountainbiken, Höhlen besichtigen und an diversen anderen Aktivitäten teilnehmen - die Menschen leben nicht schlecht von den Touristen. Es gibt aber auch ruhige Ecken und wir verbringen einen ausgedehnten Kaffeeklatsch mit Anne, bevor wir weiterradeln.

Laos2_05Wieder auf der Strasse wartet die wohl populärste und bekannteste Fahrradstrecke Südostasiens auf uns. Dieser Abschnitt zwischen Vang Vieng und Luang Prabang bietet schöne Landschaften, gute Straße, tolle Aussichten sowie viele Berge und ist geprägt von vielen Begegnungen mit anderen Radfahrenden. Seit Vientiane vergeht kaum ein Tag, an dem wir keine Radler treffen und obwohl unser Anblick für die Anwohner folglich normal ist, werden wir beim Vorbeifahren dennoch von den vielen, vielen Kindern mit einem unermüdlichen "Sabaidii"  begrüsst.

Diese Treffen führen fast immer zu längeren Gesprächen am Straßenrand, eines dieser zufälligen Treffen besteht gar aus neun Radlern gleichzeitig. Es ist interessant, wie jeder auf seine Art unterwegs ist, Viele für kürzere Zeit in Südostasien, manche für länger, wenige improvisiert, zwei sogar mit Elektrofahrrädern (der Akku wird über Solarzellen auf einem Anhänger geladen). Innerhalb weniger Wochen sehen wir mehr Radler als in den 28 Monaten zuvor.

Zweimal fahren wir ein Stück mit Anderen zusammen, erklimmen die Berge im Gespräch und kochen Kaffee in grossen Mengen. Auch an den heissen Qüllen etwas nördlich von Vang Vieng sind wir nicht alleine, sondern können das Baden, den Abend und den nächsten Tage mit Anne, Martin und John verbringen.

Laos2_09Die Landschaft ist bergig, steil fallen die Hänge ab und ihre Bewirtschaftung ist aufwändig. Brandrodungsfeldbau wird auch heute noch viel eingesetzt um Land urbar zu machen und gleichzeitig die Asche als Düngung nutzen zu können. So sind neben Hitzedunst auch die Feuer einer Ursache für die selten klare Sicht.

Wo Nahrungsmittel rar sind und schwer erarbeitet werden müssen, ist es eigentlich kein Wunder, dass die Menschen essen was ihnen in die Finger kommt. Manche Tiere, wie die große Babusratte, uns unbekannte Nagetiere mit langem Schwanz oder Leguane,  sehen wir leider nur auf kleinen Märkten wo sie zum Verzehr angeboten und schnell zugedeckt werden, wenn jemand mit dem Fotoapparat kommt.

 

 

Steinkrüge, Seidenraupen und Bomben

Wir machen einen Abstecher von der Hauptstrecke und fahren nach Osten, nach Phonsavanh. Der Weg hierher ist einsamer als die Hauptstrecke, dafür ist der Dschungel unberührter und auch die Erwachsenen grüßen. Kleine Dörfer säumen ab und zu den Weg bevorzugt an Flüssen oder auf Bergkuppen gelegen. Die einfachen, aber oft kunstvoll aus Bambus oder Teak gebauten Häuser schmiegen sich eng aneinander und sind von vielen kleinen Vorratshäuschen auf Stelzen umgeben.

Die Gegend um Phonsavanh ist bekannt für die "Ebene der Tonkrüge", mehrere Fundstellen an denen viele, riesige Steinkrüge gefunden wurden. Zudem ist dies eine der Regionen, in der sich die Bombardements des Geheimen Krieges konzentrierten, Kriegstourismus steht an zweiter Stelle neben den Steinkrügen und jedes zweite Guesthouse hat eine Bombe vor der Tür, die Touristeninformation gleich eine ganze Sammlung.

Schon auf dem Weg hierher waren uns mehrere Fahrzeuge von UXO, der staatlichen Organisation, welche die Räumung der Streubomben koordiniert, und einer rein weiblichen Räumtruppe begegnet. Auch darüber kann man sich informieren und eine Konzentration von Entwicklungshilfeorganisationen führt zu einer recht guten Infrastruktur und gut dargestellten Informationen für Touristen.

 

Laos2_22Wir besuchen die Ebene der Tonkrüge. Auf über 50 Fundstellen wurden zwischen wenigen und mehreren hundert Krüge gefunden die entgegen ihres deutschen Namens allerdings nichts aus Ton, sondern aus Stein sind. Sie haben verschiedene Größen, aber je eine tiefe Aushölung die ihnen die Form eines Kruges gibt. Noch immer ist das Geheimnis um die Steinkrüge nicht gelüftet, denn bisher weiss man weder ihr genaues Entstehungsdatum noch ihren Zweck. Heute sind die drei wichtigsten Fundstätten weitestgehend von Streubomben befreit und für Besucher zugänglich, weitere Forschung an anderen Fundstellen ist momentan aber wegen der starken Belastung mit Bomben kaum möglich. Auf markierten Wegen spazieren wir durch eine der Fundstellen zwischen Steinkrügen umher und an Bombenkratern, die die Gegend noch immer vernarben, entlang.

 

Laos2_Seide_8Ein beeindruckendes Projekt ist Mulberries, eine kleine Organisation mit Maulbeerfarm, deren Ziel es ist, laotischen Frauen durch entsprechende Ausbildung  eine eigene Einkommensquelle zu schaffen. Alle nötigen Kenntnisse vom Maulbeeranbau über die Haltung von Seidenraupen bis hin zur Verarbeitung der Seide werden den Frauen aus allen Landesteilen  in mehrwöchigen Lehraufenthalten beigebracht.

Bei einer Führung bekommen wir jeden Schritt vom Maulbeerblatt bis hin zum fertigen Schal anschaulich erklärt. Mit Öko und Fairtrade zertifiziert, wird die Seide mit einfacher, aber effektiver Technologie von Hand verarbeitet und mit Naturfarben gefärbt. Über 80 verschiedene Farbtöne können hier allein aus Pflanzen, die alle aus eigenem Anbau stammen, erzielt werden.

Wir sind beeindruckt.

 

 

Spuren

Laos2_36Zurück auf Highway N° 13 steht uns die größte Kletterei bis Luang Prabang noch bevor. In Gesellschaft sind die Anstiege mit selten allzuviel Steigungen besser zu bewältigen als von vielen Anderen berichtet worden war und wir erreichen Luang Prabang im Fünferpack (mit Athena aus Neuseeland, James aus England und Loon aus Malaysia) nach einer nicht sehr ergiebigen Nacht die wir zu fünft in einer Bambushütte verbracht hatten.

Hier hält uns anhaltender Regen für drei Tage fest, der erste Startversuch auf einer kleinen, kaum befahrenen Matschstraße nach Westen wird von uns schnell wieder aufgegeben. Wenn man nicht muss...

 

Die Stadt selbst, als Altstadt Weltkulturerbe mit vielen Vats, liegt schön zwischen Mekong und dem Fluß Nam Khan. Auch sie ist Touristenmagnet mit entsprechenden Begleiterscheinungen, von uns im Regenschleier allerdings nicht als sehr herausragend empfunden. Dies kann jedoch auch an unserer Übersättigung an Vatbesuchen und dergleichen liegen.

So verbringen wir viel Zeit mit den anderen Radlern, auch mit Anne und Martin, die wir hier bereits ein viertes Mal treffen. Bei viel Kaffee, Gesprächen und Phase 10 kommt Urlaubsstimmung auf.

 

Laos2_40Der zweite Anlauf erfolgt im Boot den Mekong aufwärts. So umgehen wir die aufgeweichte Erdstraße ungewisser Güte und erleben einen Tag die Flußwelt des größten Flusses Südostasiens. Der Mekong ist nicht durchgehend schiffbar und der Wassertransport mit schmalen, wendigen Langbooten abgedeckt, die besser zwischen Felsen und kleinen Stromschnellen durchkommen.

Wir steigen an einem kleinen Strand von Bord und setzen unseren Weg zur thailändischen Grenze auf Erdwegen fort. Auch hier ist es bergig, dabei sind die Anstiege nicht lange und sanft, sondern kurz und knackig. Steigungen erreichen oft mehr als 15% und ganz nach türkischer Manier geht es auf und ab auf direkten Wegen über die Hügel.

Laos2_47Die Provinz Sayaboury liegt als einzige laotische Provinz westlich des Mekong. Hier gibt es noch die meisten domestizierten Elefanten des Landes und in Hongsa wollen wir eine Klinik für verletzte Arbeitselefanten besuchen, da die Chance, einem der wenigen wild lebenden Elefanten zu Gesicht zu begegnen sehr gering sind. Leider gibt es die Klilnik nicht mehr und das Einzige, was wir von den großen Tieren sehen, sind ihre riesigen Fußstapfen am Straßenrand.