Eine Radwanderung

Huai Kon - Chiang Khong (Thailand)                [Bilder]

 

 

"Links fahren"...

müssen wir uns immer wieder einbläuen wenn wir uns, inbesondere morgens, immer wieder versehentlich auf der falschen Straßenseite wiederfinden. In Thailand herrscht zum ersten Mal auf unserer Tour Linksverkehr und wie stark wir Gewohnheiten verinnerlichen, spüren wir als wir uns auch nach zwei Wochen noch nicht auf der ungewohnten Straßenseite heimisch fühlen.

Dafür ist Thailand seit Langem das erste Land, welches uns auch ohne Visum empfängt. Kostenlos erhalten wir mit einem Stempel eine Aufenthaltserlaubnis für zwei Wochen, genug für einen zumindest kurzen Einblick, mehr nicht. Wir lassen die Strände im Süden liegen und machen uns auf zu einer kleinen Runde durch den Norden des Landes.

Thai1Thailand empfängt uns wie Laos uns entlassen hat, mit sehr steilen Anstiegen und ebensolchen Abfahrten. Berge sind schön, aber diese hier fordern unsere Geduld und Beine doch sehr bis wir nach einem Tag flacheres Gelände erreichen.

Abgesehen von deutlich mehr Müll am Straßenrand und größeren, ordentlicheren Feldern könnten wir uns die ersten Tage noch fast im Nachbarland wähnen. Dann erst treffen wir auf das moderne, westliche Thailand voller Pickups, Supermärkte und Geldautomaten. Und natürlich auf Vats, die hier noch üppiger, noch verzierter und sehr zahlreich zu finden sind. Besonders in Städten staunen wir über ihre Vielzahl und Größe. In Nan werden wir spontan in ein Vat zum Übernachten eingeladen als der zuständige Hausmeister eins Klosters uns gesehen hatte. Wie schon einmal in Laos, dürfen wir hier in einer seitlich offenen, überdachten Halle nächtigen. Die Mücken freuen sich über uns und wir uns über einen großen Wasserkübel im Duschraum. Nur die Mönche bekommen wir nicht einmal zu Gesicht, sie interessieren sich Abends mehr für den Fernseher als für Gäste.

Auch sonst gibt es Unterschiede zum Nachbarland. Die Straßen sind voller, insbesondere mit Privatautos, meist Pickups, von denen es in Laos wenige gibt. Größerer Wohlstand, insbesondere in den Städten, macht sich durch größere Körperfülle bemerkbar, der König grüßt gleich mehrmals täglich von Plakaten neben der Straße und auf so manche Ware läuft laut Verpackung im Jahr 2554 ab. Dies sind aber nicht Artikel die über 500 Jahre haltbar sind, sondern es ist ein Hinweis auf die in Thailand gängige buddhistische Zeitrechnung, welche der Unseren 543 Jahre voraus ist.

 

Chiang Mai

Wir überbrücken ein Stück mit dem Bus und landen in Chiang Mai, der Metropole des Nordens. Dies ist eindeutig die Stadt der Kurse. Kochen, Massieren, Yoga, Elefantenreiten... für alles gibt es Schulen und Schüler. Viele Backpacker tummeln sich hier, aber auch viele, die für länger hier hängenbleiben, angezogen von dem relativ regelfreien und günstigen Leben, nicht selten auch von hübschen jungen Thailänderinnen.

thai6Uns zieht die Stadt nicht übermäßig an. Nach zwei Tagen die wir bei Annika im Viertel der Massageschulen unterkommen durften, begeben wir uns in das Getümmel der Altstadt, wo wir uns vor Allem fehl am Platz fühlen. Wahrscheinlich waren wir einfach zu viel in Städten, vielleicht sind wir auch schlicht überfordert von einer Altstadt, deren Charme wir nicht finden können und wo uns aus jedem zweiten Haus die immergleichen Tourismusangebote entgegenspringen.

Einzig das Essen vermag uns wirklich zu begeistern. In dem kleinen Cafe des gelben Vogels finden wir das für uns beste Essen Südostasiens mit leckeren Curries und kreativen Reisgerichten.

Unsere Mission, die Reparatur unseres Netbooks, erfüllen wir immerhin halb, tauschen Bücher, denn dank vieler Reisender haben wir erstmals über Wochen hinweg immer ausreichend Lesestoff, und setzen unseren Weg fort.

 

Mangos und Elefanten

In einem Bogen geht es von Chiang Mai nach Norden und dann Osten zurück zum Mekong und nach Laos. Wir fahren durch Dörfer und Städte, leicht hügelig bis steile Landschaften und freuen uns als es einsamer wird uns wir uns auch auf Dinge neben der Straße konzentrieren können.

thai2Die Infrastruktur ist bestens, Läden und kleine Esslokale gibt es überall und auch einen Wasserautomaten finden wir fast täglich. An diesen Automaten kann man sich sehr günstig sauberes Trinkwasser abfüllen. Ein sehr gutes und müllsparendes Konzept, denn gerade viele Reisende trinken Wasser nur aus Plastikflaschen, die anschließend entsorgt werden. Einheimische lassen sich große Plastikgallonen voll Wasser liefern, dem Hahn traut man nicht, wenn man nicht muss.

Hoch im Kurs stehen bei uns Früchte, besonders Mangos verzehren wir täglich kiloweise und sie lassen uns unser Reisfrühstück auch wirklich schmecken . Passend fahren wir auch lange durch Obstplantagen, vor allem Mango, deren ausladende Bäume so manche Nacht unser Dach bilden und deren Blüten so herrlich duften. Nur Kaffeepflanzen sehen wir leider nie.

thai5Die Tage vergehen unspektakulär. In Thailand ist man Ausländer so sehr gewöhnt, dass wir viele Orte völlig unbeachtet durchqueren. Selten ruft jemand "Hallo" wenn wir vorbeifahren, was nicht an mangelnder Freundlichkeit, vielmehr an Gewöhnung liegen mag. Wir können diese Gleichgültigkeit geniesen, uns bewegen zu können ohne ständig das Wort "Falang" (Ausländer) zu hören oder angestarrt zu werden.

Öfter als sonst essen wir auf einem der vielen Märkte. Besonders Abends werden eine Vielzahl an Speisen angeboten. Diese sind so günstig und gut, dass die Thais die Märkte rege frequentieren und das Essen, verpackt in viele Plastiktüten, mit nach Hause nehmen, anstatt selber zu kochen. Für uns sind die Märkte auch deshalb von Vorteil, weil man alle Speisen sehen und eventuelle Überraschungen vermeiden kann. Neben Curries, gebratenen Nudel- und Reisgerichten, Gegrilltem, Kuchen, Süßspeisen und Waffeln zählen nämlich auch Bienenlarven, Ameiseneier, Heuschrecken, Kröten und riesige Kakerlaken zu beliebten Snacks, auf die wir gerne verzichten.

Nach unserem Stadtkoller freuen wir uns nun einfach über das Leben draußen und auf dem Fahrrad. Schöne Zeltplätze sind sehr einfach zu finden, oft sogar neben einem Fluß für ein abendliches Bad.

thai3Einer unserer Höhepunkte bleibt eine Begegnung am Straßenrand. Unweit der Straße sehen wir dort einen Elephanten grasen. Kurz darauf sehen wir einen weiteren und schauen ihnen eine Weile fasziniert zu. Sie sind zweifellos domestiziert, zeigen beide Hospitalismus und wirken nciht gerade zufrieden. Es ist dennoch ein Ereignis diese riesigen Tiere einfach so neben der Straße anzutreffen.

thai4Später gibt es auch Warnschilder an der Straße die auf kreuzende Elefanten hinweisen, wild sehen wir sie aber leider nie. Abgesehen von Insekten und vielen uns unbekannten Vögeln ist es mit Wildtieren nicht weit her. Eine große Schlange, die schnell ins Gras gleitet als wir herankommen und ein Chamäleon, das blau verfärbt vor uns über die Straße flitzt sind die Ausnahmen.

Am Ende unserer Runde treffen wir südlich des goldenen Dreiecks, der Grenz- und Opiumregion von Thailand, Laos und Burma wieder auf den Mekong. Durch Kautschukplantagen fahren wir an ihm entlang, bis unser Kurzbesuch in Chiang Khong endet.