Eine Radwanderung

Nordlaos: Houey Xai - Boten [Bilder]

 

 

 

Feuer

Asche wirbelt um uns herum zu Boden, die Sicht ist vernebelt, in unseren Lungen brennt der Qualm und Abends tanzen rote Glutherde über die Berghänge. Zum Ende der Trockenzeit brennt in Nordlaos der Wald und die Ascheteilchen sind Reste von Blättern verbrannter Bäume und Sträucher.

Fast unseren gesamten Aufenthalt über sind wir mit diesen unmittelbaren Folgen des Brandrohdungsfeldbaus konfrontiert.

Laos_3_08Brandrohdungsfeldbau ist eine uralte Form des Ackerbaus, die strengen Regeln unterliegt. Waldgebiete werden dafür gerodet und einige Tage später abgebrannt. So entsteht eine freie Fläche zur Bewirtschaftung und die Asche des verbrannten Materials liefert gleichzeitig wertvollen Dünger. Die Flächen rund um ein Dorf rotieren in festgelegten Rhytmen weniger Jahre und nach 10 bis 30 Jahren ist eine Umsiedelung in neue Gebiete notwendig. Die Regeln legen Nutzungsdauer etc. fest, verhindern so Übernutzung und garantieren nach der Nutzung die Erholung der Flächen.

Diese Regeln konnten eingehalten werden, solange einer kleinen Anzahl von Menschen große Flächen zur Verfügung standen. Heute ist dieses Gleichgewicht nicht mehr gegeben. Die Anzahl der Menschen ist deutlich gestiegen, bessere Infrastruktur wie Straßen, Dörfer, Schulen und Krankenstationen bestimmen immer stärker die Siedlungsstruktur und nicht zuletzt wird heutzutage viel Fläche geschaffen, auf der nicht Nahrungsmittel, sondern beispielsweise Kautschuk- oder Teakplantagen angelegt werden.

Laos_3_10Von der thailändischen Grenze ab durchfahren wir ständig Gebiete, in denen gerade Feuer schwelen oder schwarze Hänge auf kürzliche Brände hindeuten. Die Sicht ist wahrlich vernebelt und selten entschädigt eine klare, weite Aussicht für die Mühen anstrengender Anstiege. Später werden die Brände sogar tageweise so stark, dass die Sonne es kaum schafft, den Rauch zu durchdringen und schon am frühen Nachmittag Sonnenuntergangstimmung herrscht.

Wie erwartet ist es auch hier bergig. Man ist bemüht, die Straße No. 3, jene neu ausgebaute, kürzeste Verbindung von China nach Thailand fertig zu stellen. Stellenweise lässt uns die Vermutung allerdings nicht los, dass die neue Straße schon wieder so stark zerstört ist, dass nur noch Sand und Steine übrig sind. Dies verwundert wenig, wenn man die mächtigen LKW oft thailändischen, teils laotischen Kennzeichens ohne Rücksicht auf Verluste durch die dörfliche Landschaft rumpeln sieht.

Laos_3_14Noch hält sich der Verkehr in Grenzen und wir können eine ruhige Fahrt geniessen. Bergauf - bergab freuen wir uns über die Ruhe und Gemütlichkeit dieses Landes, dessen Bewohner noch nicht von der Geschäftigkeit der Nachbarländer angesteckt wurden. Aber auch hier in den Bergen ist das Leben nicht einfach. Die steilen Hänge werden mühsam mit kurzen Handhacken bearbeitet und die Felder liegen oft ein gutes Stück von den kleinen Dörfern entfernt.

Morgens und Abends treffen wir oft halbe Ortschaften, die mit Kind und Kegel unterwegs zu oder von der Feldarbeit sind. Einen Korb auf dem Rücken, einen alten Ölkanister für Wasser und eine Handhacke mit kurzem Schaft bilden die Ausrüstung für den Tag. Auf dem Weg werden im Gehen Handarbeiten erledigt und Babys gestillt. Je weiter wir in Richtung Luang Namtha kommen, umso mehr wandelt sich das Dorfbild weg von einfachen Holz- oder Bambushütten mit Blätterdach hin zu mit Wellblech gedeckten Steinhäusern. Letzteres ist immer das erste Zeichen der Modernisierung.

Gleichzeitig wird der chinesische Einfluss sichtbar. Kautschukplantagen tragen schon eindeutig chinesische Handschrift, nun kommen verschiedene Fabriken und Großanlagen hinzu. In Luang Namtha ist wohl jedes zweite Hotel in chinesischer Hand. Als funktionierendes einheimisches Gewerbe kann vor Allem Ökotourismus betrachtet werden.

 

Wasser

In Luang Namtha, der größten Stadt der Gegend, finden wir ein Zuhause auf Zeit. Zwar war ein langer Aufenthalt eigentlich nicht geplant, aber wie so oft kommt alles ein wenig anders als wir es uns vorgestellt hatten.

Im großen, grünen Garten eines schönen Guesthouses dürfen wir unser Zelt aufstellen und eine große Terasse wird zu unserem Basislager, von dem aus wir uns virtuell durch den Dschungel der Bürokratie wühlen.

Eigentlich schien alles gut zu laufen mit unserem russischen Visum. Ich hatte bei unserem ersten Aufenthalt in Vientiane bereits die russische Botschaft besucht wo mir versichert worden war, dass uns mit den nötigen Dokumentan keine Hindernisse im Weg stünden, das Visum hier zu machen. Einen Monat später fahre ich nun mit einem dicken Stapel Dokumente in der Tasche nach Vientiane. Dor ist nun aber nicht mehr alles so einfach wie gedacht und ohne eine laotische ID-Karte will man uns kein Visum ausstellen. Eine solche ist aber nicht so einfach zu bekommen und auch sonst scheint es vor Ort keine realistischen Lösungen zu geben. So war der Ausflug nach Vientiane zwar insbesondere zwei 24 stündiger Busfahrten durchaus ereignisreich aber leider ergebnislos.

 

Laos_3_21Eine weitere Woche verbringen wir auf unserer Terasse in Luang Namtha mit Erkundigungen auf die wir hier nicht im Detail eingehen wollen. Schließlich finden wir nach vielen Stimmungswechseln, Zweifeln und Recherchen eine halbwegs akzeptable Lösung und hoffen, dass es damit in den nächsten Wochen klappt.

 

Neben unserem innerlichen Auf und Ab fühlen wir uns an diesem Ort sehr wohl. Wir erleben unser bereits drittes Neujahrsfest dieses Jahr welches hier in Laos als Pii Mai laut, fröhlich und vor Allem feucht gefeirt wird. Der Brauch, in den letzten Tagen des alten Jahres alles zu reinigen um das neue Jahr frisch beginnen zu können, hat sich zu ausgiebigen Wasserschlachten entwickelt und die Chance in diesen Tagen trocken zu bleiben ist gering. Ausgerüstet mit Wasserpistolen, Eimern und Wasserschläuchen wird jeder Vorbeikommende unter Beschuss genommen.

An das Neujahrsfest schließen sich Raketenfeste an. Dabei werden große selbstgebaute Raketen mit teilweise meterlangen Raketenkörpern aus Bambus und mit Schwarzpulver gefüllten Zündelementen von speziellen Rampen aus in den Himmel geschossen. Zum Ende der Trockenzeit soll damit der Regen angelockt werden und nebenbei gibt es gleich wieder einen Grund zum Feiern. Wir kommen leider zu spät und erleben nur noch eine letzte Rakete, die uns mit ihrer hohen Flughöhe und den schönen Rauchspiralen sehr beeindruckt.

Und der Zauber wirkt, denn am Abend bringt ein heftiges Gewitter den ersehnten Regen der die verrauchte Umgebung endlich wieder klarer erscheinen lässt.

 

Uns haben die zwölf Tage einerseits gut getan, andererseits wurden unsere Nerven stark auf die Probe gestellt bis wir endlich bereit sind weiterzufahren.

Laos_3_30Wir genießen den Aufbruch, die ruhigen Straßen und freunlichen Menschen sehr. Uns trennt nur eine Tag von der chinesischen Grenze und wir saugen die Freundlichkeit dieser Menschen und des sympathischen Landes noch einmal tief in uns ein.