Eine Radwanderung

Rawalpindi – Chakwal – Jhelum – Lahore    [Bilder]

 

Das Reisetheater hat Hochsaison, die Plätze sind bei nahezu jeder Vorstellung voll besetzt, es muss sogar auf Stehplätze ausgewichen werden. Zwischen den Akten wiederholt immer wieder, mehrere dutzend Male pro Tag, ein Chor folgende Fragen:

 

"Hello Sir! How are you? Where do you come from? Are you married? How many children do you have? What is your religion? How do you like Pakistan? Can I take a picture of you?"

 

Akt I: Von Rapsfeldern und Canyons

Der Aufbruch aus Rawalpindi wird durch die Gastfreundschaft verzögert, denn wer kann seine Gäste schon gehen lassen ohne sie noch mit Mittagessen und Kawa versorgt zu haben. Zum Abschied kommt sogar die Schwester raus in den Hof um mich in den Arm zu nehmen, die Regeln hatten es ihr vorher versagt sich in der Anwesenheit von Matthias zu zeigen.

 

gt 03Wir machen uns auf der Grand Trunk Road auf den Weg aus der Stadt. Dieser ist länger und staubiger als erwartet, er wird aber durch eine Granatapfelpause am Wegesrand versüsst. Zudem können unsere motorisierten Kollegen aufgrund der Straßenverhältnisse nicht ihre ganze Kraft ausschöpfen. Die Grand Trunk Road führt als eine der längsten Fernverkehrsstraßen Südasiens, jahrhundertealten Wegen folgend, von Kabul in Afghanistan bis nach Bangladesh und streift auf ihrer Route Peshawar, Islamabad, Lahore, Amritsar, Delhi und Kalkutta auf gut 2500 Kilometern. Hier ist sie zweispurig, staubig und überwiegend zugebaut. Gründe die uns veranlasst haben, einen Umweg von 200 Km durch das ländliche Punjab zu planen.

Außerhalb der Stadt verlassen wir die große Straße um einer Dorfstraße Richtung Südwesten zu folgen. Diese ist im Bau, es werden Steine auf den alten Asphaltbelag geschüttet um auf diesen einen neuen Belag auszubreiten. Wir sind nicht gerade begeistert und müssen dem Minibusfahrer die Einladung für die Nacht ablehnen, es wird schneller Dunkel als dass wir sein Dorf erreichen könnten.

gt 02Es geht zwischen Raps- und Weizenfeldern entlang, die in grün und gelb Sommergefühle vermitteln und Honigduft versprühen. Die Dörfer sind zahlreich und klein, nicht immer gibt es Läden. Wir finden schließlich mit beginnender Dunkelheit eine Unterkunft bei einem Cafe. Ein Raum, Typ Garage, wird mit zwei Charpoy, Decken und einem Tisch schnell in unser Schlafzimmer umgewandelt und währenddessen ein Preis für Schlaf und Abendessen ausgehandelt. Betrieben wird das Cafe von zwei älteren, beinahe zahnlosen Männern, die sich gerne zu uns setzen und sich mit wenigen Worten mit uns unterhalten. Unterbrochen von Zigaretten und gelegentlichen Reinigungen des Rachens, dessen Inhalt zielgerichtet neben der Tür landet.

Das Abendessen besteht aus „Sabzi“, gekochtem Gemüse, welches mit Rothi aufgenommen wird. Dazu gibt es leckeres Yoghurt und Salat und natürlich Chai zum Abschluss. Wieviel diese Männer überhaupt schlafen ist uns ein Rätsel, denn im Abstand von wenigen Stunden stapft immer wieder jemand energisch vor unserer Tür herum.

 

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Auf eine unruhige Nacht folgen unruhige Mägen die für die nächsten zehn Tage nicht ruhen wollen. Ein wunderschöner Morgen entlang von Feldern und Canyons die sich in den Boden geschnitten haben. Bis ich merke, dass Matthias fehlt. Ich fahre zurück und finde ihn hinter einem kleinen Busch – rumorende Mägen fordern ihre Pausen. Und diese folgen zahlreich an diesem Tag, begleitet von Besuchen neugieriger Menschen, die anhalten, wenn sie uns am Straßenrand sitzen sehen. Aller Widrigkeiten zum Trotz schaffen wir es, viele Einladungen zum Tee ablehnend, gerade noch nach Chakwal, wo wir nach langem Suchen die Hilfe der Polizei benötigen um in einem kleinen Hotel ein Zimmer zu bekommen. Vorher wollte man uns als Ausländer nicht akzeptieren und auch die Begleitung vieler hilfsbereiter Passanten hatte nicht zum Erfolg geführt.

 

gt 04Chakwal ist eine Kleinstadt und das Zentrum einer Gegend, die vor Allem von Ackerbau geprägt ist. Und weil ich Saima treffe und Matthias Magen kein Essen vertragen will, bleiben wir einfach einen Tag. Saima hatte mich am Abend angesprochen, eine resolute Frau für die es normal zu sein scheint, aus dem Auto heraus mit Fremden zu reden. Für pakistanische Verhältnisse ist dies als Frau ganz und gar nicht normal und ich bin so erfreut, dass ich ihre Einladung für den nächsten Morgen gleich annehme.

Sie arbeitet in einer Organisation die sich darum bemüht, die Armut im Bezirk Chakwal zu bekämpfen. Dazu werden Mikrokredite vergeben, es gibt Alphabetisierungskurse für Erwachsene und um, vor Allem den Frauen, Perspektiven zu geben, werden verschiedene Kurse im handwerklichen und kunsthandwerklichen Bereich angeboten. Die Produkte, welche anschließend von den Frauen zuhause hergestellt werden, können verkauft werden und bringen ein zusätzliches Einkommen. Gegründet wurde die kleine Organisation von Saimas Schwester.

 Die Familie kommt von einem Dorf unweit der Stadt und der Vater hat es geschafft, als Fahrer eines Minibusses und mit etwas Landwirtschaft allen seinen acht Kindern ein Studium zu finanzieren. Sobald die ältesten Geschwister ein Einkommen hatten, halfen sie den Jüngeren, die auch bei ihnen in der Stadt wohnen konnten. Es sind interessante Stunden, die ich im Büro verbringe, gefolgt von einer Einladung, den Abend in ihr Dorf zu fahren. Dort werde ich verschiedensten Mitgliedern der weitverzweigten Familie vorgestellt, die über das ganze Dorf zu bestehen scheint, und komme bei den verschiedensten Verwandtschaftsgraden, die sich durch Verwandtenehen oft noch überschneiden, durcheinander. Die Frauen möchten, dass ich bleibe, die Männer legen mir zum Abschied als Zeichen des Respekts und guter Wünsche leicht die Hand auf den Kopf und wir sausen auf einem längeren Weg wieder in die Stadt. Der andere Weg sei notwendig erklärt man mir, da so viele bewaffnete Überfälle stattfinden.

 

 

Akt II: Von einem Imam der keiner ist und von der Saltrange

Dann erwischte es auch mich und wir nutzten die Zeit bis zum Mittag um uns auszuruhen. Erstaunlicherweise kann man auch, wenn man sich nicht gut fühlt, noch immer Radfahren und wir machten uns auf den lärmigen Weg nach Süden. Ein Polizist in Zivil, von Beschützerinstinkt gepackt, meint uns auf seinem Moped begleiten zu müssen. Glücklicherweise hat er keine Zeit dies bis zur nächsten Stadt fortzuführen, dafür erhalten wir die folgenden Tage immer wieder Anrufe in denen wir nach Standort und Befinden gefragt werden. Für Menschen, die kaum aus ihrer Umgebung herauskommen und die sich schon in der nächsten größeren Stadt unsicher fühlen, scheint es unvorstellbar, dass wir uns alleine in einem fremden Land zurechtfinden und einfach keine Hilfe benötigen. Diese wird uns oft angeboten, denn sobald wir eine Pause machen endet der Strom von Menschen die uns ausfragen, photographieren und Hilfe anbieten wollen nur selten.

 

gt 07In der Ferne tauchen die Berge der Saltrange auf, an deren Südflanke sich die zweitgrößte Salzmine der Welt befindet. Wir erklimmen erstmal die Nordseite und kommen erledigt in Choa Saidan Shah an.

Hier nimmt Ajmal uns unter seine Fittiche, ein Afghane, der nach vielen Jahren in den Staaten wieder in seine Heimat zurückgekehrt und von dort seinen Verwandten nach Pakistan gefolgt ist. Hier wurde er mit einer deutlich jüngeren Cousine verheiratet und zusammen haben sie ein einjähriges Mädchen. Im Ort wohnen viele Familienmitglieder, die teilweise schon seit Generationen in Pakistan leben. Fast das gesamte Leben findet innerhalb der Familie statt, man besucht sich gegenseitig, Geschwister, Cousinen und Cousins sind die Freunde und Spielgefährten und Kontakt mit den Punjabis im Ort gibt es wenig. Auch geheiratet wird in der Familie dem Familienbeschluss folgend und ohne, dass Ablehnung oder Annahme dieser Kollektiventscheidung erwartet werden würde.

gt 05Ajmal hat auch einen Freund, doch da dieser aufgrund der Anwesenheit unverheirateter Cousinen nicht das Haus betreten darf, stehen die Männer auf der Straße.

Ich verbringe den Abend mit den Cousinen, die im Schnitt knapp zwanzig Jahre alt sind. Sie gehen auf ein Frauencollege im Ort, wo sie ihren Bachelor machen können und heiraten dann einen Mann mit deutlich weniger Schulbildung, da die Jungs nach dem 10. Schuljahr beginnen in den Kohleminen der Gegend zu arbeiten. Ich bin erstaunt über ihr Englisch, welches für die wichtigsten Frauenthemen wie Hochzeit, Familie, College und Kinder ausreicht. Wir schauen diverse Hochzeitsfotos an, die größten Ereignisse in ihrem Leben bei denen alle ausgelassen und ohne Verschleierung tanzen.

Einzig auf dem Dach können wir uns Blicke in die Umgebung leisten, können wir die Nachbarn sehen, die Menschen die am Rande des Dorfes in Zelten wohnen und das Haus der Cousinen gegenüber. Es ist ein enges Leben und es ist eben so, sagen sie.

 

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In der Nähe besuchen wir in dem Dorf Katas einen Komplex mit Hindutempeln die zu Ehren Shivas um eine Quelle herum erbaut wurden. Die ältesten Gebäude sollen mehr als 900 Jahre als sein und wir werden von einem Guide der weniger englischer Worte mächtig ist, herumgeführt. Sein wichtigstes Instrument ist der Schlüssel, der uns die Türen in das Innere der Tempel öffnet. Ein Privileg welches unangenehmerweise den Einheimischen verwehrt wird. Allerdings ist auch wenig Respekt für die andere Kultur und Religion zu spüren und die Bauwerke sind über und über mit eingeritzten Nachrichten versehen.

 

Wir erklimmen die letzten Meter der Saltrange und freuen uns über Berge und weniger dicht besiedelte Gegenden. Unsere Orangenschalen verfüttern wir an eine Herde vorbeikommender Kühe, in der Ferne sehen wir kleine Orte am Berghang kleben. Die Hügel sind farbenfroh in Rottönen und vor uns erstreckt sich die Ebende des Jehlum Flusses.

 

Unten spricht uns auf der Straße ein etwa zwölfjähriger Junge selbstsicher in sehr gutem Englisch an. Er sammele Geld aus verschiedensten Ländern und ob wir ihm vielleicht Geld aus unserem Land geben könnten. Wir sind dieser Bitte schon häufiger begegnet, mussten aber immer ablehnen, da wir keine Euros mit uns haben. Dieser Junge ist uns aber so sympathisch, dass wir in den Tiefen unserer Tasche nach ein paar vergessenen Som-Scheinen aus Kirgistan suchen. Der Junge freut sich, auch wenn er noch nie etwas von diesem Land gehört hat.

 

 

Akt III: Vom Dorfleben in Besucherraum und unter der Frauendecke

Auf unserer Karte ist ein größerer Ort, den wir auf der Suche nach einer Unterkunft ansteuern. Es ist ein enger, uriger Ort und die Menschen schauen uns erstaunt an, als wir nach einer Unterkunft fragen. Wie wir später erfahren, war bisher erst eine Ausländerin in diesem Dorf und ihr Besuch ist 21 Jahre her - kein Wunder dass die Bewohner verunsichert auf uns Radfahrer reagiert haben.

Dann aber kommt Zahid auf einem Motorrad angefahren und nach wenigen englischen Sätzen wechseln wir zu Deutsch bzw. Schweizerdeutsch, denn er arbeitet seit vielen Jahren in der Schweiz. Das Problem mit der Unterkunft ist auch schnell gelöst, wir werden bei einem Freund untergebracht und von Zahids Familie versorgt. Einzige Bedingung, wir müssen den halben nächsten Tag bleiben und uns die Landwirtschaft anschauen – aber sehr gerne.

 

Kurz nach unserer ersten Begegnung sitzen wir mit den Männern der Familie, die zu dem Anlass besonders zahlreich erschienen sind, im Besuchszimmer und bekommen sehr leckere Schonkost mit wenig Schärfe serviert. Bald nach dem Essen wechsele ich in den Frauenbereich wo ich schon sehnlichst erwartet und schnell unter die wärmende Decke in den Kreis der Frauen gezogen werde. Die Frauen, Tanten, Cousinen und Schwestern machen es sich auf den Betten gemütlich. Eine Cousine übersetzt das Wichtigste für Alle, manches bleibt lieber unter uns. Der ein oder andere Cousin hat sich auch mit reingeschmuggelt, im Gegensatz zum Gast können die Männer der Familie sich im ganzen Haus bewegen. Während die Geschlechter hier getrennter voneinander leben, ist man unter sich von Anfang an herzlicher und ich werde gleich behandelt wie eine von ihnen und zum Abschied von jeder einzeln kräftig umarmt.

 

gt 08Nach dem Frühstück am nächsten Morgen geht es mit zwei Motorrädern aufs Feld. Vater, Onkel und Großmutter von Zahid arbeiten hier schon mit einigen Arbeitern seit dem frühen Morgen. Die Familie besitzt kein eigenes Ackerland und Zahids Vater pachtet Jahr für Jahr einige Äcker die er mit Hilfe vieler Tagelöhner bewirtschaftet. Heute sind sie mit der Kartoffelernte beschäftigt, anschließend werden die Felder für den folgenden Mais vorbereitet. Die Kartoffeln werden von Hand von armen Tagelöhnern gesammelt. Gezahlt wird pro Sack, so dass die Eltern all ihre Kinder mit aufs Feld bringen und schon die Kleinsten bei der Ernte helfen. Die Säuglinge sitzen auf Decken zwischen den Säcken und der Wasserpfeife.

Stolz der Familie ist der Traktor, der gerade die Kartoffeln aus der Erde schleudert. Das Jahr war nicht gut und viel Geld wurde verloren, weiter geht es trotzdem. Die Großmutter kommt beharrlich jeden Tag mit aufs Feld, sie hat die wirklich harten Tage der Familie nicht vergessen und will trotz ihren Alters und der Bitten der Söhne nicht aufhören ihren Teil der Arbeit zu leisten.

 

gt 09Die Tour geht weiter durchs Dorf. Zur Eisenbahnbrücke und dem Fluss, zum gekühlten Kartoffellager und zum kleinen Großmarkt des Dorfes der von Zahids Freund betrieben wird. Überall werden wir vorgestellt, bekommen wir Getränke und werden freundlich, neugierig aufgenommen. So auch bei den Vorbereitungen für ein Fest in der Moschee anlässlich des baldigen Geburtstags des Propheten. Hier werden über Feuer riesige Töpfe Reis mit Erbsten gekocht „Pulao“ , der hinterher an die Teilnehmer des Festes verteilt wird. Wir probieren frisch von der Kelle und machen Mittagspause, im Hintergrund dringen die Gebete aus den Lautsprechern zu uns durch.

 

 

Akt IV: Von einem Fort, zwei erschöpften Radlern und Hochzeitsdekorationen

Es war wieder ein ganzer Tag geworden, erholt sind wir aber dennoch nicht, wenn auch vollgestopft mit Eindrücken bis zum Überlaufen und tief beeindruckt von der Gastfreundschaft die uns zuteil wurde. Unsere Mägen gehen trotz Schonkost mit nur der Hälfte Chilli von Zahids Mutter, in die zweite rumorende Woche.

 

gt 11Wir setzen unseren Weg fort und sitzen oft am Straßenrand, trinken (ausnahmsweise jetzt konsequent Flaschenwasser) und versuchen geduldig die vielen Hilfsangebote abzulehnen, schließlich wollen wir nur Pause machen und unseren Mägen nicht mit weiteren Einladungen strapazieren. So viel Einblick sie uns auch in die Kultur geben – die Besuche fordern uns auch und wir können schlichtweg nicht dreimal hintereinander frühstücken. Der Hunger der Menschen nach Kontakt mit uns ist enorm – wir allein können ihn aber nicht stillen oder wir wären noch immer dort.

 

Auf kleiner Straße geht es nach Osten, entlang des Jhelum Flusses. Einmal noch finden wir eine Stelle zum Zelten und genießen es wie lange nicht mehr – unsere kleine Freiheit in einem trockenen Flussbett unterm Sternenhimmel.

 

gt 10In Jhelum treffen wir wieder auf die Grand Trunk Road und machen noch einen kleinen Umweg nach Norden. Dort, hinter einigen Hügeln befindet sich in den Ausläufern der Saltrange eines der größten Forts Südasiens. Rohtas Fort wurde hier von 1541 an an der alten Grand Trunk Road gebaut, später aber nie wirklich für die vorgesehenen Zwecke genutzt. Wir sind besonders von der formschönen fast vier Kilometer langen Mauer beeindruckt, die sich asymetrisch über Hügel zieht. Heute befindet sich eine kleine Stadt in ihr und lässt das Fort nicht als alte Ruine erscheinen.

 

Zurück auf der Straße treten wir in die Pedalen und fühlen uns, als würden wir zwei Tage lang nur durch Städte fahren. Die Grand Trunk Road ist hier fast durchgehend bebaut, dazu staubig und wenig reizvoll. Wir beeilen uns und sehen zu, dass wir die Kilometer hinter uns bringen.

Aus diesem Zustand werden wir noch einmal befreit, als uns Shakila resolut zum Tee einlädt. Dass dieser gleich bei ihnen zuhause getrunken wird und unsere Übernachtung schon beschlossen ist, können wir nicht ahnen – aber der Einladung einer Frau kann ich in diesem Land nicht widerstehen.

gt 12Die kleine Familie lebt von einem Milchladen, der die von den Bauern gesammelte Milch in ihrem Stadtteil verkauft. Es gibt Kuhmilch, Büffelmilch und herrlichen Büffelyoghurt der immer Abends in der kleinen Stube hinter dem Laden in flachen Tonschalen hergestellt wird.

 Nach diesem Prozess geht es zu einem Verwandten, der seine überaus große Familie mit der Herstellung von Hochzeitsdekoration ernährt. Buntes Papier in den verschiedensten Formen wird zu langen Ketten aufgefädelt die dann wiederum in dicken Bündeln zusammengefasst werden – in Handarbeit. Neun der dreizehn Kinder scharen sich neugierig um uns als wir zu fünft an einem großen Tisch essen. Der Rest der Familie schaut einfach zu. In diesem Haushalt halten sich alle in einem Raum auf, sitzen Männer wie Frauen beieinander. Wir steigen auf das Dach und erfahren in der Dunkelheit wo weitere Zimmer entstehen sollen. Wenn Geld da ist, wird weitergebaut. Zum Abschied bekommen wir eine Hochzeitsgirlande die uns den folgenden Tag am Lenker befestigt bis Lahore begleitet.

 

Hier in Lahore senkt sich der Vorhang des Reisetheaters wieder, um sich nur noch einmal für eine kleine Zugabe zu heben. Zuschauer sind Akteure des Reisetheaters geworden, wir Akteure wurden Zuschauer einer uns sehr fremden Kultur. Jetzt treten wir aus dem Rampenlicht zurück.