Eine Radwanderung

Russland: Adler - Port Kavkaz                 [Bilder]



Gemeinsam mit vielen schiefen und quietschenden Handwagen verlassen wir Abkhasien wieder. Der Grenzhandel scheint ein erträgliches Geschäft welches zu einem großen Teil von älteren Menschen mit kleinen Wägelchen bewältigt wird. Orangen werden in die eine Richtung gekarrt, Lebensmitteleinkäufe aller Art in die Andere.


Obwohl offiziell verboten, werden wir an der Grenze problemlos abgefertigt. Allerdings wird an dieser Grenze kein Pass gestempelt, der Stempel landet lediglich auf der Immigrationskarte. So ist nicht sichtbar, dass wir uns je in Abkhasien aufgehalten haben, das Visum dafür wird ebenfalls nicht in den Pass geklebt, es fehlen einzig zwei Stempel. Mein Pass geht direkt aus der Hand der Beamtin in die eines Mannes vom Sicherheitsdienst. Dieser hat seine Aufgabe gelernt und ist von Beginn an zu freundlich. Er will den Verlauf unserer Reise wissen und genauso freundlich zähle ich ihm im Eiltempo alle bereisten Länder auf. Dann verschwindet er für fünf Minuten mit meinem Pass in einem Büro, anschließend dürfen wir gehen - wie gut, dass wir zwei Pässe haben.

Wir betreten Westrussland in Adler. Adler stand oft als Zielort auf den Zügen, die an der BAM an uns vorbeifuhren, genauso wie Anapa und Krasnodar die wir ebenso auf der Karte der Gegend finden. Und Adler wird einer der Austragungsorte der Olympischen Spiele 2014 sein, die unter dem Namen Sotchi augetragen werden. Entsprechend ist der kleine Ort eine einzige Baustelle und auf perfekten Straßen werden wir in großen Umwegen umgeleitet. Wir beginnen sofort, die verschlafenen Straßen Abkhasiens zu vermissen ja, wir finden nicht einmal eine ruhige Stelle für unsere Mittagspause.



Sotchi selbst zeigt keine Anzeichen von Olympiade, von Baustellen, Stadien oder Schnee - aber der wird in den letzten Jahren ohnehin von Putin unterbunden, denn man will den Bau der Anlagen in Krasnaja Palerna nicht den Winter über aufhalten. Stattdessen finden wir hier eine gepflegte Stadt mit Strandbadatmosphäre und viele Hügeln. Strand hingegen sehen wir so gut wie keinen, irgendwo muss man all die Wohnanlagen, die als elitär beworben werden, ja hinstellen.

Wir haben wenig Interesse an der Stadt und wir haben eine Einladung zur Banja. So kämpfen wir uns steile Hügel hoch und bremsen steile Hügel hinunter, die Stadt will und will nicht aufhören und der Traum vom Zeltplatz am Strand schwindet dahin. Stattdessen fragen wir seit Langem mal wieder bei einem Haus nach einem Zeltplatz, da schlichtweg jeder ebene Fleck ein Garten zu sein scheint. Kein Problem - bis uns beim Aufstehen am nächsten Morgen eine schroffe Stimme lautstark entgegenkeift, was wir denn in ihrem Garten machen würden. Da hatte der Mann am Abend zuvor die Gastfreundschaft seiner Nachbarn wohl falsch eingeschätzt.

georgien 14Wir haben noch genau vier Tage bis unser Visum vom letzten Jahr ausläuft. Wir könnten die Schwarzmeerküste entlangfahren und es gerade so in die Ukraine schaffen. Oder wir können den Daumen heraushalten und nach einigen Stunden in Nebel, Regen und wieder Nebel in einen Kleinlaster Richtung Krasnodar steigen. Hier liegen wir einen halben Tag später in den Armen von Olga und Dima.
Wir hatten die Beiden letzten Mai in Südchina kennengelernt. Sie waren gerade von öffentlichen Verkehrsmitteln auf Fahrräder umgestiegen und wir hatten einen Abend und einen Morgen zusammen verbracht. Wir sind schuld, dass sie sich einen großen Wok für den Campingkocher kauften - obwohl wir nur von unserer Pfanne geschwärmt hatten, sie sind Schuld an unserer Route durch diese Gegend.

 


georgien 13So pfeifen wir auf die ohnehin wenig überzeugende Schwarzmeerküste und verbringen drei Tage zusammen. Matthias wird zur Begrüssung von Bielka in den Fuß gebissen, von da an sind wir ein wenig vorsichtig mit den drei Frettchen, die frei durch die Wohnung hüpfen.


Die Zeit vergeht wie im Fluge und wir erleben auch hier im Westen herzlichste russische Gastfreundschaft. Krasnodar ist eine angenehme Stadt mit hübschem Zentrum, an dessen einer Ecke die besten Arbeiter in verschiedenen Berufen mit Bildern ausgestellt werden. Olgas Eltern wohnen nicht weit von der Stadt in Mirny, einem kleinen Dorf in den Bergen. Hier haben Olga und Dima vor zwei Jahren eine stattliche Banja gebaut aus Rundstämmen, mit dem schönsten Banjaofen, den wir gesehen haben und mit einem Schlafplatz über dem Schwitzraum. Diese wird nun eingeheizt und wir haben unser erstes richtiges Banjaerlebnis.


georgien 12In der Banja waren wir schon oft, allerdings immer alleine und zum Zwecke der Körperwäsche. Jetzt wird es eine ganze Prozedur, die nach dem ersten Schwitzgang mit Fußmassage beginnt. Weiter geht es im Schwitzraum mit Eichenzweigen mit denen unsere Körper massiert, abgewedelt, geschlagen, abgerieben - gründlich gereinigt werden. Dabei wird wieder und wieder Wasser mit einem Hauch ätherischer Öle über die heißen Steine geschüttet, es wird heißer und heißer, der Kopf zum Kühlen gelegentlich mit kühlem Wasser übergossen. So geht es weiter bis wir er nicht mehr aushalten, bis es zu heiß und stickig wird und der ganze Körper nach Draußen drängt. Dort kommt auf einer Bank das kalte Wasser eimerweise, dass man nur noch nach Luft schnappen kann. Anschließend liege ich auf der Wiese, meine im Rythmus meines durch die Adern pulsierenden Blutes zu schweben und schaue den Sternen des Nachthimmels zu.
Als wir nachts um zwei Uhr in die Küche von Olgas Eltern kommen, erwartet uns dort ein mit Leckereien überladener Tisch. Viele Schalen und Schälchen mit verschiedenen Gerichten, Salaten, Eingelegtem und Süßem. Wir sind überwältigt und dürfen anschließend mit vollgeschlagenen Bäuchen im Obergeschösschen der Banja schlafen wo uns am nächsten Morgen die Sonne direkt ins Gesicht lacht.


Der Rest der Zeit ist eine einzige Schlemmerei. Olgas Mutter verwöhnt uns mit vereinten Kräften und immer wieder werden neue Leckereien aus der Sommerküche herangeschafft. Abends kochen wir in Krasnodar für Olga und Dima und am nächsten Tag werden wir von Dimas Mutter auf ukrainisch bekocht und mit ukrainischen Osterkuchen versorgt. Ostern ist aufgrund des abweichenden Kalenders hier erst eine Woche später.
Zum Abschluss unternehmen wir die Reise zum Port Kavkas im Auto, denn sie lassen es sich nicht nehmen uns persönlich zur Fähre in die Ukraine zu bringen.
Auf Wiedersehen!