Eine Radwanderung

Moldawien: Palanca - Cahul        [Bilder]



moldawien 01Mit Moldawien kehrt das Leben auf die Straßen zurück. In hübschen kleinen Orten mit bunten Holzhäusern springen die Kinder auf der Straße, neben der Straße und über Fußballplätze. Man spaziert oder sitzt auf den Bänkchen vor den Gehöften. Fast überall werden wir Vorbeifahrenden begrüßt.


In jedem Ort gibt es mindestens einen Dorfbrunnen an dem wir, wie die Bewohner kleinerer Dörfer, das Wasser aus der Tiefe heraufkurbeln um unsere Flaschen zu füllen. Auch zum Waschen sind die Brunnen eine willkommene Einrichtung bei sommerlichem Frühlingswetter und jeden Abend, kurz vor der Dunkelheit machen wir dort halt. Wie die Dorfbrunnen gehören nach der Grenze große, bunt angemalte Kruzifixe zum Bild eines jeden Ortes.

moldawien 02Zwischen den Dörfern breiten sich weite Felder aus. Hier wird der Boden von mehreren himmelblauen Traktoren gleichzeitig bearbeitet, die ruhig in Kolonnen ihre Bahnen ziehen. Dazwischen findet man viel Weinbau, der mit den geraden Linien faszinierende Muster in der Landschaft bildet. Wo die Topographie keine großen Felder zulässt, wird mit einfachen Mitteln in kleinerem Rahmen angebaut und natürlich hat auch fast jeder einen eigenen umfangreichen Garten und Weingarten.


Landwirtschaft ist überall präsent und andere Wirtschaftszweige sehen wir kaum. Allerdings verraten uns viele Autos mit westeuropäischen, meist italienischen, Kennzeichen, wo ein Teil des Geldes seine Herkunft hat. Das Leben ist ruhig, einfach und sehr überschaubar. Wann immer wir uns erkundigen, ob jemand Russisch spricht, bekommen wir ein kräftiges "Ja, natürlich" als Antwort. So haben wir es leicht mit der Verständigung, nur bei der jüngeren Generation klappt es nicht immer.
Ein Bauer erzählt uns, wie er versucht, mit etwas Land seine sechs Kinder hier durchzubekommen, während seine Frau illegal in Italien arbeitet und so zwar finanziell beitragen, wegen fehlender Papiere aber nicht zu Besuch kommen kann. Der große Traum von Europa wird auch hier geträumt. Aber auch das Bedauern darüber ausgedrückt, dass man nur mit der Hilfe aus dem Westen überleben kann, dass man es nicht aus eigener Kraft schafft.


moldawien 04Land gibt es genug, nur scheint es schwer, die eigenen Produkte der kleinen Bauern absetzen zu können. Auch hier tun sich die Strukturen nach dem Zerfall der Sowjetunion noch immer schwer, neue Wege zu finden und auch hier ist es eine abtrünnige Provinz, Transnistrien, die wirtschaftliche Entwicklung erschwert. Man bleibt auf dem Wein sitzen, den man früher problemlos exportieren konnte.
Auf den Märkten werden die ersten Dinge aus den Gärten angeboten: Kräuter, Salat, Frühlingszwiebeln werden oft in sehr kleinen Mengen angeboten. Alte Menschen sitzen wegen zwei Gläsern Eingemachtem auf dem Markt und wir testen hausgemachten weißen Käse, Wein und Kwas. Trotz Allem aber sehen wir fröhlichere Gesichter als zuvor, hören wir fröhlichere Musik aus den Gärten herüberwehen.


moldawien 03Das Land ist klein und wir planen eine Route, die uns zumindest für knapp drei Tage durch den Süden der Republik Moldau führt, wie das Land auch auf deutsch bezeichnet wird. Hauptstraßen lassen sich dabei nicht umgehen, allerdings merken wir bald, dass diese nicht unbedingt viel Verkehr aufweisen. Auf unserer Karte als große Straßen markiert, wirken sie auf uns manchmal fast wie vergessen, so einsam ist es hier. Wir fahren quer zu vielen kleinen Flüssen Hügel hoch und Hügel runter.

Wir passieren viele Dörfer und grüne Landschaften mit Wiesen, Äckern und Wäldern. Manchmal werden wir zum Essen eingeladen, doch so richtig passt es nie. Zu einer Kostprobe des lokalen Weins kommen wir dann aber doch noch eines Mittags in einem kleinen Laden. Der Besitzer war vor einigen Jahren für ein Praktikum im Weinbau für einige Wochen in Strasbourg und der Pfalz gewesen, da können wir auch bei viel Sonne die 50 Gramm nicht ausschlagen.
Wir genießen das kleine gemütliche Land in vollen Zügen, da ist es auch schon wieder vorbei.