Eine Radwanderung

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Ist Marko da?   10.05. - 12.05.2012
Serbien: Vrsac - Novi Sad

Nachdem Herr P. T. aus H. in einer Email vom 09.03.2009 angefragt hatte, wann den der Artikel "Serbien, die Zweite" erscheinen würde, können wir ihn euch nun hier und heute präsentieren.

yugo 01Ein zweites Mal Serbien, wo wir den größten Kreis der Reise schließen und nach drei Jahren die Donau wiedersehen. Unser Fixpunkt ist Novi Sad wohin wir unsere Räder auf direktester Route und doch mit einigen Kurven und Schlenkern lenken. Nordserbien ist nicht gerade ein Radlerparadies, außer man bevorzugt die Monotonie einer flachen Ackerbaulandschaft deren einzige Abwechslung gelegentliche Dörfer und das Spiel mit dem Wind bilden. Auffällig bunt leuchten Mohn und Genossen am Straßenrand und wir essen die ersten Holunderpfannkuchen zwischen Pappelschnee.
Prompt meldet sich die verbreitetste Reisekrankheit bei mir und bremst uns einen Tag aus den ich mehr neben denn auf dem Fahrrad verbringe.


Dann kommen wir tatsächlich nach Novi Sad, in eine Stadt, die uns recht gut gefallen hatte. Viel Zeit können wir ihr nicht einräumen, schöne Augenblicke haben wir viele. Hier sehen wir die Donau wieder, eine alte Bekannte, die sich immer wieder erneuernd und doch wie ehedem dahinfließt. An ihr entlang eine ausgiebig genutzte Freizeitpromenade, die Joggern wie Radlern und Fußgängern je einen eigenen Weg mit entsprechendem Belag einräumt. Wie immer auch hier oft missinterpretiert.


Ist Marko da? Nach einigem Suchen haben wir den "Flying Dutchman" wiedergefunden und werden sofort von einem Dauergast erkannt. Vor über drei Jahren hatte uns Marko in Novi Sad seine Gastfreundschaft geschenkt, jetzt wollen wir ihn überraschen. Er ist einer der Besitzer des Cafes, gerade aber auf der anderen Donauseite in seinem Sommerhäuschen. So werden wir erstmal geladen uns zu setzen und ordern die leckerste heiße Schokolade von der wir uns schon seit Wochen gegenseitig vorschwärmen.


yugo 02Niemanden scheint unser plötzlicher Besuch allzu sehr zu überraschen, wir werden wie alte Bekannte freudig begrüsst und in das Geschehen der großen Familie eingebunden. Das findet später dann auf der anderen Donauseite statt im Garten der Eltern der mit Kinderlachen und Grillduft erfüllt ist. Der Tisch füllt sich mit Suppe, Salat, Broten und einer Grillplatte die ich in diesem Ausmaß und dieser Variation noch nicht gesehen habe. Wir kommunizieren auf deutsch mit dem Vater und englisch mit allen anderen, sonst konnten wir in Serbien auch einfach Russisch sprechen und wurden meist gut verstanden.
Als unsere Bäuche gefüllt, eine neue Route empfohlen und telephonisch die Grenzsituation geklärt ist, lässt Marko es sich nicht nehmen, uns die ersten Kilometer mit seinem Boot die Donau hinauf zu bringen. Der Wind weht uns um die Nasen, der Fluß ist leer und intensiv blau - ein schönes Wiedersehen - wo doch die anschließenden Kilometer am Ufer entlang nicht viel von der Donau zu sehen ist.



Verregnet 13.05. - 16.05.2012
Kroatien: Vukovar - Zagreb


Irgendwo zwischen den Dörfern und Feldern taucht ein kleiner Container auf, eine Schranke und zwei Grenzbeamte. Jeder Supermarkt in Kasachstan ist besser gesichert als diese Grenzen und wir müssen gar darum bitten, Stempel in unsere Pässe zu bekommen. Dass Grenzen eine Nebensächlichkeit werden, ist aber ein schönes Gefühl.
yugo 03Kroatien hatten wir auf der Hinreise nur gestreift, auf der Donau ist die Grenzsituation für Paddler ungünstig. So hatten wir zwar vermutlich eine Nacht auf kroatischem Gebiet, auf einer Insel, genächtigt aber sonst nur übers Wasser geschielt.

Jetzt wollen wir wenigstens die eine Nacht in Nähe der Donau verbringen und folgen in einem Ort einem Schild welches "Free Camping" anbietet. Es führt uns zur "Kapitänsküche", einem kleinen Lokal mit Wiese. Eigentlich befindet es sich noch in der Winterpause, aber die Besitzer sind da und wir suchen uns den besten Platz am Steilufer aus. Allerdings soll es stürmen, sagt man uns. Wir lassen uns nicht beeindrucken, nach mehr als vier Wochen durchgehendem Sonnenschein rechnen wir einfach nicht mit Regen. Erst als mitten beim Abendessen der Wind wie eine Front über die Donau gebraust kommt und alles mit seiner Kraft zum Schwanken und Flattern bringt, lassen wir uns doch überreden, unser Zelt unter Dach aufzubauen. Dazu bekommen wir Erdbeerkuchen und werden später zu Wein in der Kneipe eingeladen. Und das, wo wir anfangs befürchtet hatten, man würde mit dem Campingangebot nur Kunden anlocken wollen. Der Besitzer will aber schlichtweg eine Unterkunft für Touristen bieten, da es in der direkten Umgebung keinen Campingplatz gibt.
Auch hier sind wir überrascht, wie gut Englisch gesprochen wird und erfahren nicht nur Einiges über die Region, sondern auch über das ehemalige Jugoslawien und eine Gegend, mit der wir uns bislang kaum beschäftigt haben und über die wir viel zu wenig wissen.


yugo 04Von nun an nieselt es, wenn es nicht gerade regnet. Gelegentlich ist es auch mal trocken und dann treten wir kräftig in die Pedalen, um unser Pensum in den Regenpausen zu absolvieren. Für die Wartepausen eignen sich die immer zahlreicher werdenden Supermärkte gut, denn dort gibt es große Dächer und wir können gleichzeitig die Zeit für Einkäufe nutzen. Einmal dauert der Regen so lange an, dass wir kurzerhand unsere Küche neben den Fahrradständern auspacken und Mittagessen kochen. Niemanden stört es.


Vukovar ist die erste größere Stadt und es ist die Stadt, die noch die meisten Kriegswunden zeigt. Ein riesiger Wasserturm empfängt uns als zerbombte Ruine und die Kriegsschäden sind noch deutlich zu sehen. Schöner werden dann Städtchen wie Ossijek mit schönen Innenstädten, Kirchen, Häusern und Parks auf deren Bänken wir die ein oder andere Pause verbringen. Hier sitzen wir mit unseren bepackten Rädern mitten in der Stadt und sind scheinbar ein derart gewöhnliches Bild, dass kaum jemand uns überhaupt zu bemerken scheint.
Landschaftlich bleibt es eintönig bis wir kurz vor Zagreb in hügeligeres Gelände kommen. Allerdings haben wir Glück, oder einen guten Riecher und finden immer schöne Plätze zum Zelten und das selbst kurz vor der Hauptstadt. Diese, Zagreb, gefällt uns gut und hätte wahrlich einen intensiveren Besuch verdient. Wir bestaunen die große Kathedrale und die vielen Touristen aus aller Welt, dann fängt es mal wieder an zu regnen.




Wiedersehen  17.05. - 19.05.2012
Slowenien: Brezice - Godovic


yugo 05Kaum haben wir Schengenlande betreten, bessert sich das Wetter und Slowenien strahlt uns an. Der Sommer ist wieder da und verzaubert uns zusammen mit den hübschen Hügeln und Dörfern entlang der Save. Der Fluss mäandert durch die Berge und alles ist unglaublich grün und sauber und hübsch. Wir müssen bei den Schlösschen und Kirchen, die oft irgendwo weit oben weiß zwischen den Tannen auf Hügeln blitzen, und bei den Orten oft an Österreich denken, nicht von ungefähr. Hatten wir in den vorherigen Ländern schon immer wieder das Gefühl die Orte seien fast wie bei uns, so verstärkt sich dieser Eindruck hier noch.


Eines Morgens stelle ich mir beim Toilettenbesuch bei einer Tankstelle vor, wie sich ein Asiate vom Land wohl in diesem Raum fühlen muss. Hier wird geheizt, es gibt fließend kaltes und warmes Wasser am Waschbecken, die Toilette ist sauber und verfügt über eine Spülung, es gibt Toilettenpapier, der Raum ist Rollstuhlgerecht, weiß und groß, der Mülleimer wird regelmäßig geleert und neben der Tür wird stündlich die Sauberkeitskontrolle abgezeichnet. All diese Dinge sind sehr angenehm und werden uns zudem noch ohne jegliche finanzielle Gegenleistung geboten, es gibt aber Augenblicke in denen uns dies doch sehr seltsam und fremd erscheint.


yugo 08Wir steuern Ljubljana an wo uns Matija erwartet. Wir hatten im Herbst 2010 einige Zeit zusammen in einem Hostel in Ulan Bator verbracht und freuten uns, als wir hörten, er sei wieder in der Heimat. Einen Tag Pause gönnen wir uns hier und wieder sind wir fasziniert von der schmucken Altstadt und der tollen Lage. Von hier aus ist es mit dem Auto eine Stunde zum Mittelmeer, in der gleichen Zeit kann man in anderer Richtung in die Alpen fahren. Wir werden bestens verwöhnt und versorgt und treten so manche Reise in die Höhen des Himalaya, nach Pakistan, China oder in die Wüste Gobi an - wie das so ist, wenn Radler unter sich sind. Wir fahren mit Lucia, einer hier lebenden Spanierin an den Bohinj See, den schönsten See Sloweniens, wie sie sagt. Hier genießen wir den Nachmittag und spielen ausgiebig mit dem Hund im Wasser. Zum Schwimmen ist es zu kalt.


yugo 07Auch den zweiten Tag auf dem Weg nach Italien sind wir immer wieder über die Natur und Landschaft begeistert. Mit uns sind das auch zahlreiche Freizeitradler mit sportlichen Rädern und schicken Radklamotten, viele Motorradfahrer die viel zu laut sind und ganze Wandergruppen. Hier kann man sich Freizeitsport leisten und hier kann man beobachten wie Europa zur Normalität wird und Ländergrenzen nicht viel mehr sind als ein Ortschild und Sprachenwechsel.

 

 

Klein sind die Länder hier und kaum sind wir angekommen, haben wir das Land bereits wieder fast verlassen. Wechselkurse, Sprachen und Landschaften wechseln schneller als dass wir uns an sie gewöhnen könnten und jedes Land hätte wahrlich mehr Aufmerksamkeit und Zeit verdient. Gleich bleiben die immer zahlreicher werdenden Supermärkte die je nach Kette eine festgelegte Struktur zeigen. So findet man die Schokolade immer an der gleichen Stelle, egal ob man sich nun in Rumänien, Kroatien oder Slowenien befindet. Was für die Einkäufe praktisch sein mag, hinterlässt ein unheimliches Gefühl.

Gefallen hat es uns in dieser Region, trotz der nur kurzen Eindrücke, sehr und wir werden bestimmt wiederkommen in eine Gegend, die so wunderschön fast vor der Tür liegt.