Eine Radwanderung

Aus Slowenien - Venedig - Verona - Bergamo - Simplon - Visperterminen    [Bilder]

 

 

 

italien 1Wie fährt man am besten durch Norditalien? Das haben wir uns gefragt und damit geliebäugelt, doch noch, obwohl die Zeit drängt, eine Bergpassage mit einzubauen. Poebene klingt nun wirklich nicht spannend. Dennoch haben wir uns gemaßregelt und die Berge im Süden umfahren, soweit es ging. Und das war gar nicht so schlecht.


Selbst Venedig nicht, das stand dafür als erstes auf der Liste. Da könnte man so schön am Haff entlangfahren, am Adriastrand, dann mit der Fähre übersetzen nach Venedig. Nun, ein einziges Mal kamen wir an den Strand, dort nämlich, wo die einzige Lücke ist zwischen Hotelanlagen und Campingplätzen Deluxe. Dort haben wir genächtigt, der nächste Morgen duscht uns gleich ein, mitten in strömendem Regen stellen wir fest, dass wir mit den Rädern gar nicht so einfach nach Venedig rüberkommen. Die günstigeren Boote, deren Preis wir uns vorab erfragt hatten (und deshalb überhaupt diese Route genommen haben) nehmen keine Räder mit, weil sie direkt nach San Marco fahren und dort Fahrräder gar nicht erlaubt sind. Dann gibt es eine Route mit Umsteigen in Lido di Venezia, dadurch zwei Tickets, jedesmal noch ne Fahrradkarte. Wir überlegen hin und her, sind dann auch ein wenig vergrätzt, irgendwann sagen wir, dann können wir auch aussen rum fahren. Es regnet immer mal wieder in Strömen, wer will da schon Fahrrad fahren - aber wer will da schon Venedig anschauen?

Wir machen viele Pausen und schaffen es am Ende doch fast an die Festlandanbindung von Venedig. Mitten im Regen treffen wir den Michael, der gerade seine 4000 Überstunden als Radreisender abfeiert und campen zusammen.

Der Venedigcrash geht aber weiter,als wir am nächsten Tag eine Parkmöglichkeit für unsere Gefährte suchen. Entweder eine dunkle Ecke unbewacht, aber immerhin erlaubt, oder aber ab zwei Euro pro Stunde und Rad. Am Ende erbarmt sich die Aufseherin in einem Parkhaus ohne Ciclotarif unser und wir können die Räder dort umsonst einstellen. An die europäischen Preise müssen wir uns wieder gewöhnen, an die Venezianischen erst recht. Vor allem erschreckt uns die übermäßige Reglementierung, die Welt aus Verboten und Einschränkungen und mit Bangen erwarten wir Europa. Aber es scheint hier in Italien doch schlimmer zu sein als in Mitteleuropa. Glück gehabt.

italien 2Wir nehmen uns ein paar Stunden Zeit und haben dann doch ein gutes Bild von der Stadt. Gar nicht so schnieke, wie man erwarten dürfte, bei diesen Touristenmassen und mit wirklich sehenswerten Gebäuden und anderen Eindrücken. In den San Marco gehen wir nicht rein, wegen der allzulangen Schlange. Aber allein bis man durch die Stadt gelaufen ist, vergeht einige Zeit.


Ebenfalls sehr beeindruckend ist dann Padua (Padova). Eine ansprechende Altstadt mit guterhaltenen Prunkbauten und kunstvoll gestalteten Zivilbauten. Ein paar solcher Städtchen laufen uns nun über den Weg, etwa Cologna Veneta oder dann Verona mit der noch sehr gut erhaltenen Römerarena. Mittlerweile haben wir Michael wiedergetroffen, aber wiederum nur für einen halben Tag und eine Übernachtung, er fährt am Gardasee nordwärts, wir nach Westen.

italien 4Sirmione, eine Altstadt auf einer Landzunge im Gardasee ist uns einen Umweg wert, Desenzano eine ganz lange Kekspause am See (mit Süddeutscher Zeitung!), auch Brescia überzeugt uns mit seiner Altstadt davon, dass es gar nicht schlimm ist, in der Poebene zu radeln - man kommt gut vorran und hat mehrmals täglich schöne Städte. In Bergamo betrachten wir die Altstadt nur von unten, die ist nämlich auf einem Berg und wir zu faul. Mailand ist uns dann doch zu groß, als dass wir Lust gehabt hätten, dort hindurchzufahren und wir suchen uns kleine Sträßchen dran vorbei. An einer Strecke, man fährt  durch leichtes Hügelland, erstaunt einen dann die Schlucht, das Tal, das sich die Adda in die Landschaft gegraben hat und nun tief unter der Brücke vorbeizieht.


italien - MohnfeldZum ersten Mal auf der Reise kochen wir auf dem Kocher Spätzle - wir haben das öfter schon gemacht, wenn wir irgendwo zu Gast waren. Jetzt ist der Grund, dass der Grieß, den wir hier in Italien für unseren Frühstücksbrei bekommen, oft nur als doppelt gemahlener Nudelgrieß zu kaufen ist. Und der lässt sich nicht zu Grießbrei verarbeiten, er klumpt . In Spätzle macht er sich allerdings gut, nur dumm, dass wir uns den einzigen Tag mit Rückenwind ausgesucht hatten, denn es dauert doch eine kleine Ewigkeit, bis wir die Spätzle alle von einem Löffel geschabt und mit einem anderen Löffel herausgefischt haben.

 

Waren wir in Slowenien schon verdutzt über so viele Radfahrer, so sind wir hier baff erstaunt. Ich blicke mich doch immer mal wieder um, ob sie nicht doch Nummern drauf haben, zu einem Rennen gehören, nein, alles Trainingsradler, alle in engem Radlersuite und alle auf leichten Rennrädern und fast alles Männer. Ein paar Urlaubsradler sehen und treffen wir auch, auch ein älteres Paar, das jedes Jahr mit dem Rad über die Alpen fährt, manche, die mit dem Camper kommen und die Räder dabei haben, überhaupt auch sooo viele Camper. Das ganze Haff von Venedig ist gestopft voll damit, am Gardasee, am Lago Maggiore, überall weiße, aufgepimpte Busse. Das sind oft schon rollende Hotels und die Stellplätze kosten so viel wie ein Hotelzimmer.

 

Auf der anderen Seite ist unsere AlpDer Lago Maggiore ist die nächste Station, wo es aber schwer ist, einen Platz am Ufer zu bekommen, da alles privatisiert ist. Aber schön ist es dort, wir genießen ihn von der Straße aus, fahren weiter nach Domodossola und in die Berge.

Veronika erzählt noch, dass sie gehört habe, man solle nie am Wochenende als Radfahrer durch die Alpen fahren, wegen der ganzen Motorradfahrer. Wir haben Pfingsten. Vor uns liegt der Simplonpass, etwas über 2000 m hoch. Er verbindet das Rhonetal mit dem Lago Maggiore. Eine schöne Strecke mit einigen Kurven und gut zu fahren. Eine Einladung an Motorradfahrer, die selbst in Europa keinen Wert auf gute Schalldämpfer legen.

Um so mehr freuen wir uns dann über Katrin und Matthias aus Freiburg, die mit ihrer Vespa den Weg auf sich genommen haben und gar auch selbst kochen. Hier am Pass,wo wir sie treffen, sind wir am nächsten zu unserer Alp, aber der Weg dorthin ist noch verschneit, wir fahren also runter ins Tal nach Brig, nach Visp und wieder hoch nach Visperterminen. Hier warten unsere Räder,während wir kurz zu Hause sind.Blick ins Mattertal