Eine Radwanderung

Es begab sich zu der Zeit, dass die Öfen Wunder gebaren, mannigfaltig an Süsse und Geschmack - und dass dieses Wunder uns nicht vorenthalten blieb.

 

Am letzten Abend im deutschsprachigen Teil unserer Reise schlenderten wir abends durch den kleinen Ort Wildungsmauer und in den Dorfladen - und gingen wieder. Veronika hatte jedoch einen Teil ihrer Briefmanufaktur im Boot gelassen, so dass sie wiederum in den Ort ging. Mangels Milch wieder in jenen einen Laden und diesmal auf das Aussehen, man wähnte sie zu den örtlichen Reitern gehörend, angesprochen wurde - um dann in der Verwunderung der Verkäuferin, ob der etwas anderen Aktivitäten, von dieser einen Teller "Hausgemachte Weihnachtsbäckerei" geschenkt zu bekommen. Edelste Wunder aller Art, die wir in einer Obsession genießerisch zu uns nahmen.

 

Die Strecke von Wien nach Bratislava darf zu den schönsten gezählt werden, die die Donau zu bieten hat. Das ist natürlich der subjektive Eindruck Paddelnder, deren Wahrnehmung durch einen Geschwindigkeitsrausch getrübt ist. Die Donau hat hier stellenweise mehr als 8 Km/h Fließgeschwindigkeit und das die ganzen zwei Tage lang. Dass dieser Abschnitt nicht gestaut ist, liegt an den österreichischen Ökos die dies per Volksbegehren verhindern konnten. So wurden riesige Auenurwaldflächen vor der Überflutung bewahrt, die heute im Nationalpark Donau - Auen geschützt sind.

 

Der fehlende Stau zeigt plötzlich, wieviel Niedrigwasser wir tatsächlich haben. In den gestauten Bereichen ist für uns ein niedriger Wasserstand nicht sichtbar - hier wir immer ein bestimmter Pegel gehalten. Nur in der Wachau, dem einzig verbliebenen freifließenden Donaustück in Österreich, hatten wir vorher bereits eine Ahnung vom momentanen Niedrigwasser wahrgenommen, welches so stark ist, dass die Frachter dort wegen mangelndem Tiefgang nur mit 70% ihrer Ladung hindurchfahren können. Zwei bis vier Meter steht hier hinter Wien sonst das Wasser höher. Altarme sind trocken gefallen und Biberburgen liegen im der Luft, Stege hängen hoch am Ufer, aber nicht mehr im Wasser. Nach langer Zeit wieder begegnen uns Reiher und Kormorane und während eine Uferseite befestigt ist, darf die jeweils andere den Kiesstrand formen. Beide Uferseiten sind gesäumt von kleinen Ferienhäusern die auf Stelzen hoch über der Donau thronen.

 

Nachdem uns Österreich so schön verabschiedet hatte und die letzten Euros in Äpfel angelegt waren, begrüsste uns die Slowakei gleich mit ihrer Hauptstadt Bratislava. Diese, deutlich kleiner und übersichtlicher als das große Wien, zeigt uns einerseits modernste Riesenbauten, andererseits aber auch riesige Abrisswüsten. Wir genießen die Ruhe und Übersichtlichkeit sehr und lassen uns treiben wobei man durchaus mal von einer leuchtend blauen, Zuckergussdekor ähnelnden Kirche überrascht werden kann. Insgesammt ist Bratislava nicht sehr anders als westeuropäische Großstädte, mit dem Unterschied, dass wir jetzt nicht mehr so einfach kommunizieren können, unsere Sprachenkenntnisse herauskramen und des öfteren mit unterstützender Pantomime untermalen müssen. Das wird nun zur Normalität werden für uns, insbesondere da wir nun bald schon nach Ungarn übertreten werden und die hier aufgeschnappten Worte wieder durch Neue austauschen müssen.