Eine Radwanderung

 

Sommerferien in Esfahan und Yazd [Bilder]

 

Sommer ist es für uns schon lange, jetzt wollten wir auch mal Ferien machen während unsere Fahrräder und Gepäck in Teheran bleiben und unsere Visaanträge bearbeitet werden, setzen wir uns in den Bus um die Städte Esfahan und Yazd zu besuchen.

 

Hier im Iran kann man wählen zwischen Bus und Bahn, da aber das Busnetz deutlich besser ausgebaut ist und Bahntickets umständlich zu buchen sind, bleibt der Bus das Verkehrsmittel der Wahl welches dank sehr häufiger Abfahrtszeiten zudem noch sehr flexibel ist. Die Busse sind modernde Reisebusse, der Service sehr gut. Auf längeren Strecken gibt es neben dem Fahrer einen Mann der die Karten kontrolliert und ansonsten für uns im Verborgenen wirkt und einen dritten, der die Fahrgäste versorgt. Er verteilt Boxen mit Keksen, Trinken und bei Tag auch Zeitung und Kaffee. Wohlumsorgt und klimatisiert gleiten wir durch die Wüste und bedauern es nicht, unseren Fahrrädern eine Pause zu gönnen, denn die Landschaft ist eintönig - Steine und Wüste.

 

esfahan-yazd_03Esfahan wurde früher häufig als schönste Stadt der Welt beschrieben und auf einer Postkarte steht: Wer kann behaupten, er habe die Welt gesehen, wenn er Esfahan nicht gesehen hat? Ganz so ist es heute nicht mehr, viele der damaligen Anlagen und Gärten sind der wachsenden Stadt, die ersteinmal wie eine normale Großstadt wirkt, zum Opfer gefallen. Zu sehen gibt es dennoch genug für mehrere Tage und sie hat sich einen hohen Stellenwert bewahrt und ist die wohl touristischste Stadt des Landes, an der Zahl der Ausländer gemessen auf jeden Fall.

 

 

Zum ersten Mal seit vielen Wochen treffen wir wieder andere Reisende, was auch daran liegen kann, dass wir zum ersten Mal seit acht Monaten wieder mal in einem Hostel nächtigen. Auch zwei Radler treffen wir, einen aus England und einen aus Taiwan. Der Austausch mit Gleichgesinnten ist schön und es ist interessant wie jeder auf seine Art reist. Ben ist z.B. Mitte Juni in England losgefahren und ist jetzt schon hier.

Wir besichtigen so viele Dinge wie selten in so kurzer Zeit, genießen zwischendurch aber auch das Beobachten und das abendliche Picknick auf dem großen Platz. Der Imam-Platz ist der bekannteste Ort der Stadt und beliebter Treffpunkt. Umgeben von schönen Arkaden in denen der große Bazar beginnt und von schönen Bauwerken, kann man tagsüber die Füße in dem großen Wasserbecken kühlen und Abends zwischen Blumen picknicken. Wie überall besuchen wir den Basar, üben mitesfahan-yazd_32 Teppichverkäufern deutsch, lassen uns aber keinen Teppich verkaufen und stellen fest, dass die Verkäufer eifriger werden, je mehr Touristen kommen. Während wir auf türkischen Basaren an mindestens jedem zweiten Stand offensiv angesprochen wurden, kann man hier im Iran in Ruhe über die Basare schlendern und wird auch nicht gleich in einen Laden gezerrt, nur weil man schauen will. Allein in Esfahan ist man engagierter als im Rest des Landes und gerne weist man auf seine Referenzen in diversen Reiseführern hin oder sagt gleich auf welcher Seite man denn nachschlagen solle. Wir hören diverse Geschichten, die uns doch wieder nur in einen Laden locken sollen. Schön ist der Basar trotzdem und hier in Esfahan bekannt für seine Tuchdrucker die in kleinen Hinterhöfen große und kleine Stoffe mit großen Holzdruckern bedrucken.

esfahan-yazd_13Ansonsten besichtigen wir viele Moscheen, Paläste und sehr schöne Brücken über den Zayandeh Rud, der jetzt im Sommer gar nicht da ist. Die Brücken sind aufwendig gebaut, auf zwei Ebenen kann man den Fluß überqueren oder in einer der vielen Arkaden verweilen. Unter den Bögen einer Brücke sitzen locker verteilt einige Männer. Immer einer oder mehrere fangen zu singen an, manche ganz für sich, manche den anderen zugenwandt. So entsteht eine sehr intensive Atmosphäre und auch wir hören eine Weile zu.

 

 

Als wir durch alte Basargassen schlendern, winkt ein alter Mann uns in ein Haus. Hier wird gerade ein alter Shahsitz renoviert und während wir über Schutt und Baumaterialien klettern, staunen wir über die halbvergangene Pracht, den tollen Innenhof und die Fotos an der Decke die den Schah bei einem Moskaubesuch mit dem Zaren zeigen.

Das sind die besonderen Momente.

Aber auch die islamische Baukunst gefällt uns sehr gut, nur müssen wir dosieren und brauchen Pausen um sie genießen zu können. Die brauchen auch die Einheimischen und ein Mittagsschlaf wird gerne gemacht. Manch einer streckt sich neben seiner Bandsäge aus, andere schlafen einfach auf ihrem Stuhl ein und nicht selten wird der Besuch einer Moschee zur Mittagszeit von einem leichten Schnarchen untermalt.

 

 

Das abendliche Leben gewinnt nicht nur aufgrund der heißen Temperaturen an Bedeutung. Seit dem 22. August ist Ramadan, der islamische Fastenmonat. Während dieses Monats darf nur vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang gegessen werden, nicht einmal das Trinken von Wasser ist erlaubt. Kinder, Schwangere und Reisende müssen nicht fasten. Im Iran als islamischem Staat gilt dies offiziell und es sollte nicht in der Öffentlichkeit gegessen werden, wobei es nicht so geandet wird wie in anderen islamischen Staaten wo man schon für das Rauchen einer Zigarette im Ramadan hinter Gitter wandert. Privat handhabt es jeder so wie er möchte, viele fasten nicht und mittlerweile haben nicht nur Läden, sondern auch Restaurants geöffnet unter deren meist halb heruntergelassenden Rolläden man durchschlüpfen kann um dahinter den normalen Betrieb vorzufinden. Allerdings sieht man in der Öffentlichkeit nur sehr selten jemanden essen. Alles richtet sich nach der jeweiligen Stadt und Region. Solange wir unterwegs sind, stellt es fast keine Einschränkung dar. Wir dürfen ohnehin essen und bevorzugen sowieso ruhige Pausenplätze. In den Städten wird es da schon schwieriger, wobei aber unserer Erfahrung nach Trinken kein Aufsehen erregt und man durchaus auch essen kann, wenn man sich unauffällig in eine ruhige Parkecke zurückzieht. Einmal in Teheran brachte daraufhin einer ein großes Papier um uns einen Sichtschutz zu bauen, ein anderer brachte einen Teller voll Süßigkeiten. Was wo passend ist, findet man mit der Zeit heraus, relativ überrascht waren wir allerdings, als wir am ersten Morgen des Ramadan zum Frühstück eingeladen wurden und da wir dieses schon hinter uns hatten, nur mit einer riesen Tüte voll Tomaten, Gurken und Trauben gehen durften. Wir wussten schließlich noch gar nicht was uns erwartet und hattet mit einem solchen Beginn des Fastenmonats nun nicht gerechnet.

Interessant ist, dass es eine Reihe von Gerichten gibt, die speziell in dieser Zeit auftauchen. So fiel uns gleich auf, dass plötzlich abends viele Menschen mit einer weißen Plastikdose herumliefen. Darin befindet sich meist Asch, eine grüne dicke Suppe über deren genauen Inhalt abgesehen von Kräutern wir noch mutmaßen. Je größer der Topf, umso besser schmeckt Asch und es erinnert immer etwas an die Gulaschkanone beim Feuerwehrfest. Daneben gibt es noch eine gelbe Variante und ein mit Hackfleisch, manchmal sieht man Leute mit ihren Kochtöpfen Schlange stehen und die Töpfe sind Abends immer leer.

Neben diesen reichhaltigen Gerichten, ist besonders Süßes beliebt. Teiggebäck mit viel Sirup, ähnlich Baklava, wird kistenweise vom Konditor geholt und manchmal auch von Personen auf der Straße verschenkt.

 

 

esfahan-yazd_46Yazd ist ganz anders als das große Esfahan. Deutlich kleiner und am Rande der großen Kavir Wüste gelegen, besticht es weniger durch bedeutende Bauwerke als durch architektonische Eigenheiten die aufgrund der Lage entstanden sind. Die Altstadt besteht über ein großes Areal ausschließlich aus Lehmhäusern. Allerdings sieht man von den Häusern selber oft nicht viel, denn sie sind von hohen Mauern umgeben, welche gleichzeitig in den engen Gassen angenehmen Schatten spenden. Oft sind die Gassen zusätzlich durch Rundbögen überdacht und so eng, dass kein Auto fahren kann. Viele Häuser haben einen oder mehrere Windtürme die Luft nach unten leiten und so den Hof und Räume kühlen sollen. Diese Bauweise ausschließlich aus Lehm wirkt sehr angenehm und wie aus einer fernen Zeit. An manchen Türen kann man noch zwei verschiedene Türklopfer mit verschiedenen Klängen finden, einen für Frauen und einen für Männer, damit man im Haus gleich weiß, wer kommt.esfahan-yazd_51

Eine weitere Besonderheit die man hier gut besichtigen kann, sind Qanate, unterirdische Kanäle, die die Stadt und das Umland mit Wasser aus dem nahen Shir- Kuh Gebirge versorgen. Die Qanate gehen in der Stadt tief unter den Häusern durch wo das Wasser direkt entnommen werden konnte, an anderen Stellen wird es für die Bewässerung der Gärten und Parks nach oben geführt. Als angenehmen Nebeneffekt wurden teilweise die Aufenthaltsräume unter die Erde gelegt, wo sie durch das Wasser zusätzlich gekühlt wurden.

So hat man gelernt, sich das Leben erträglich zu gestalten, schließlich wird diese Gegend schon sehr lange besiedelt und hatte eine wichtige Stellung an der Karawanenstraße zum indischen Subkontinent.

Interessant war für uns auch die Berührung mit den Zaratrustriern, den Anhängern der Vorläuferreligion des Islam im Iran. Für sie gibt es drei Prinzipien: Gute Gedanken - gute Taten - gute Worte, nach denen es zu leben gilt. Das Feuer wird besonders verehrt und spielt eine wichtige Rolle in Gottesdiensten. In einem Tempel in Yazd brennt ihr Urfeuer, welches über mehrere Stationen hierher gelangte. Der Tempel selber ist relativ neuen Datums und wurde von indischen Glaubensbrüdern gestiftet. Einige Leute mit denen wir in verschiedenen Situationen sprachen, halten diese Religion für sehr friedlich und würden übertreten wenn der Islam es erlauben würde.

 

esfahan-yazd_55

Mit dem Nachtbus geht es für uns zurück nach Teheran. Wir sind viele, viele Kilometer gelaufen (ja Fahrräder haben eben ihre Vorteile), hatten fünf schöne Urlaubstage und haben einen tiefen Eindruck aus diesen zwei Orten mitgenommen.