Eine Radwanderung

Istaravshan

 

Wir haben Geburtstag - ein Jahr auf Reisen, ein Halbes zu Wasser, ein Halbes auf dem Fahrrad.

Und was macht man wenn man Geburtstag hat?

Wir bummeln durch eine kleine Stadt, Istaravshan, im Norden Tadjikistans, beantworten die uns immer begleitenden Fragen und setzen uns in eine Konditorei. Hier essen wir Torte, süße, klebrige Tortenstücke und wir lassen uns das vergangene Jahr nocheinmal durch den Kopf gehen....

 

 

geburtstag_01Oktober: Zum ersten Mal im Boot! Wie machen wir das? Wie bekommen wir das ganze Gepäck geladen und die Räder noch dazu? An einem Baggersee nahe Ulm probieren wir uns, üben zu paddeln, dabei auch noch zu harmonisieren, die Angst vor dem Wasser zu verlieren. Dann setzen wir über in die Donau, der erste Paddelstich, unsicher suchen wir unseren Weg durch die Untiefen der noch flachen Donau...

 

 

 

 

 

 

geburtstag_02November: Der Start in Deutschland und Österreich ist mehr Kampf als Paddelgenuß. Das Wetter grau, das Zelt nie trocken, die Schläusen zahlreich und das Vorwärtskommen mühsam. Wir sind dickköpfig genug. Jeden Hauch von Strömung, jeden Sonnenstrahl begrüßen wir überschwänglich. So hatten wir uns das Paddeln eingentlich nicht vorgestellt.

 

 

 

 

 

 

 

geburtstag_03Dezember: Die Donau bekommt so schon langsam Fahrt, zwischen Wien und Bratislava wurde einst ein Staudamm verhindert, wir fahren trotz extremem Niedrigwasser durch einen schönen Auwald und haben nach Bratislava die Donau fast für uns alleine. Ein Altarm zeigt uns für ein paar Tage die schönsten Seiten des Flusses. Dann schlägt das Wetter um und mit ihm nachts das Boot. Bei Wind und Regen sind alle Klamotten durchnässt, doch ging nichts verloren. Eine Runde trockensitzen im "Hotel".

 

 

 

 

geburtstag_04

Januar: Nach "Weihnachtsferien" in Budapest will der Winter endlich ran, es wird kalt und kälter und nicht selten müssen wir morgens das Boot aus der dünnen Eisschicht der Nebenarme befreien. Das Zeltleben arbeitsreicher, Feuerpausen zwischen dem Packen wärmen die Hände wieder auf. Dann friert gar die Donau zu - wer hat schon mit sowas gerechnet? Die größte Herausforderung wird der Verlust eines Großteils des Gepäcks und die Neubeschaffung.

 

 

 

 

 

geburtstag_05Februar: Es wird wieder Frühling im Norden Serbiens, endlose und entvölkerte Auen mit kleinen Fischrestaurants auf Stelzen. Serbien gefällt uns sehr, zu kämpfen haben wir bisweilen mit dem Wind. Besonders vor dem Eisernen Tor, der Donaupassage durch die Karpaten, wo es nochmal richtig Winter wird. Beim Zelten im Tiefschnee bricht ein Paddel, in Funktion als Schaufel, zwei schöne Tage verbringen wir bei einem Fischerrentnerpaar. Mit der großen Schleuse in der Walachei hinter den Karpaten wird es Frühling, richtig sonnig....

 

 

geburtstag_06

März: Der Pegel steigt, wir haben Strömung und in Ruse ändert sich einiges. Im Gästebuch unseres gastgebenden Yachtclubs lesen wir von vielen verschiedenen Donaufahrern und plötzlich sind wir fast da - noch 800 Kilometer. Wunderschöne Landschaften, Seitenarme, schöne Schlafplätze, nette Fischer und leckere Wildkräuterfrühlingssalate - das Paddelleben wird schön und schöner. Und Ende März das erste und letzte Bad im noch sehr kalten Fluß.

 

 

 

 

 

 

geburtstag_07April:Mittlerweile flicken und dichten wir immer häufiger an unserem 50 Jahre alten Klepper-Faltboot. Aber wir erreichen das Meer. Extra für uns ist es gnädig und ruhig, wir fahren kurz raus, dann zelten wir am Strand. Da kommen wir dann nur mit Mühe weg, denn schon in der Nacht legt der Wind wieder los und unser Zelt wird vom Sand eingespült. Die nächsten Tage paddeln wir noch durch die Kanäle und Seen des Deltas bevor wir - nach einem halben Jahr - den Kahn einpacken, heimschicken und die Räder fitmachen.

 

 

 

 

 

geburtstag_08Mai: Wir gewöhnen uns an die wieder neuen Verkehrsmittel, sortieren neu und suchen immer wieder Überflüssiges um das viele Gepäck vom Boot zu reduzieren. Nach Rumänien und Bulgarien erreichen wir Istanbul und Asien. Überall werden wir von der türkischen Gastfreundschaft umarmt, die unzertrennlich mit vielen Gläsern Tee verbunden ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

geburtstag_09

Juni: Oh, wie viele Berge die Türkei doch hat! Wir fahren bergauf, bergab, jedes Dorf hat seine eigene Geschichte, sein eigenes Schicksal zu erzählen. Dort jede, die einst aus ganz anderen Regionen geflüchtet sind, hier jene, die ihr Glück beim Daimler gemacht haben. Gänzlich verlassene Dörfer und solche, die noch nie Fremde gesehen haben. Wir fahren durch das Hinterland, suchen uns über kleine Holperstrassen unseren Weg durch die Berge, erleben die ersten Kirschen und Erdbeeren und schließlich sind wir wieder am Meer, wo erst Haselnüsse wachsen, später im Osten Tee. Mittlerweile ist es warm genug, im Meer zu baden, obschon die Strände rar sind.

 

 

geburtstag_10Juli: Georgien und Armenien treffen wir auf den Kaukasus, herzlichste Gastfreundschaft, grandiose Landschaften und immer wieder - Berge. In Georgien bekommen wir durch viele wertvolle Begegnungen einen tiefen Einblick in ein hinter äußerer Schönheit zerrissenes Land. Armenien hält noch mehr Berge, wechselnde Landschaften und feine Straßen mit gemäßigtem Verkehr bereit - und jeden Tag ein Gewitter.

 

 

 

 

 

 

geburtstag_11August: Mit der Grenze zum Iran erwartet uns die Wüste. Trockenheit, schlechtes Wasser, Durchfall, Staub und Dieselruß. Und ein System, in dem Staat und Tradition gewohnt sind, jede menschliche Regung vorzuschreiben. Die Wüste wird nur an Flüssen durchbrochen von Grünstreifen, jedoch finden wir auch von dem größten See nur noch das Salz. Entlang der alten Siedlungen liegen mehr oder weniger alte Moscheen, Medresen und Mausoleen, die mit wunderschöner Architektur beeindrucken.

 

 

 

 

 

geburtstag_12September: Visabeschaffungen zeigen uns die unangenehme, arbeitsreiche Seite des Reisens, dabei sind wir uns bewusst, wie priviligiert wir sind überhaupt so reisen zu können. Wir verlassen den Iran nach einem Abstecher zum Kaspischen Meer, durchqueren Turkmenistan zwangsläufig im Eiltempo - nicht jedoch ohne uns über die Farbenpracht und Fröhlichkeit der hiesigen Menschen zu freuen. In voller Fahrt wird unser Fortkommen von einem Erdbrocken gestoppt und in der Seidenstraßenoasenstadt Samarkand kurieren wir Matthias Knie während wir mit vielen anderen Reisenden Geschichten austauschen.

 

 

 

geburtstag_13Oktober: Noch ist das Knie nicht wieder ganz gesund, hält aber für ein paar Kilometer am Tag, um über die Grenze nach Tadjikistan zu kommen. Das usbekische Visum ist zu Ende, hier warten wir, bis das kirgisische Visum beginnt - und das Knie hoffendlich gut ist. Das eigentliche Tadjikistan, der Pamir, ist gestrichen. So vertreiben wir uns die Zeit - und haben Geburtstag.

 

 

 

 

 

 

 

Und wie geht es weiter?

Wir wollen in einer guten Woche nach Kirgisistan einreisen, als erstes Ziel Osch ansteuern und dann über die Berge nach Bischkek fahren. Dort werden wir über den Winter erstmal sesshaft, bevor es im Frühling weitergeht Richtung Baikalsee. Welche Route wir dafür genau nehmen wissen wir noch nicht, haben auch noch nicht die entsprechenden Karten und außerdem dann viel Zeit im Winter um alle Wünsche zu einem entsprechenden Weg zusammenzufügen.

Unseren bisherigen Weg kann man unter "Tour" ansehen, ranzoomen und er wird laufend aktualisiert.