Abgerutscht

(Pleiten, Pech und Pannen)
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Wir umgehen einen aufgeschütteten Sandhügel der einen ehemaligen Bahnübergang versperren soll. Statt des Überganges werden Fahrzeuge gezwungen nun in einem Fluss unter einer Brücke hindurch zu fahren, eine Variante die uns aber entschieden zu nass ist.

So schieben wir vorsichtig zuerst Matthias Fahrrad um den Sandberg herum und gerade als wir wieder festen Boden unter den Füßen haben, rutscht Matthias auf losem Grund ab und hängt am Berg. Passiert ist nichts und ein Foto machen darf ich auch noch.

      

Darf ich?

(Sonstiges)
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"Darf ich?", werden wir hin oder wieder gefragt. Gemeint sind unsere Fahrräder, wobei die Frage bei weiblichen Fragestellern eher auf das Festhalten eines Rades und ein Foto damit zielt....

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Männliche Fragesteller probieren Veronikas Rad auch gerne mal aus, wie der junge Mann unten links im Bild der sich gleich auf den Weg durch den nächsten Fluss machte.

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Oder Dima in Chani, der am liebsten gleich mitgekommen wäre, würde er nicht in einem Monat Vater werden...

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Straßen - Zustand

(Landschaft)
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In manchen Abschnitten scheint die Existenz der Autostraße komplett in Vergessenheit geraten zu sein, zumindest bei den zuständigen Behörden. Besonders gravierend tritt dies bei Bezirksgrenzen auf, in Ausmaßen die für unsereins unvorstellbar sind.

   

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Mal ist die Straße derart ausgewaschen, dass selbst sehr hoch liegende Jeeps phantasievoll sein müssten, würden sie sich im Sommer denn hier entlang wagen. Flüsse bedienen sich zeitweise der Straße und hinterlassen tiefe Gräben die uns auch mal ins Abseits befördern - ohne Rad versteht sich.

Dann ist die Straße wieder mit so vielen Pfützen übersät, dass wir es lieber auf den Schienen versuchen.

    

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Oder wir machen uns erstmal an die Arbeit und bauen Brücken oder ergänzen sie. Die erste Schwelle über dieses Flüsschen wurde vor zwei Jahren von englischen Motorradfahrern gelegt, die zweite haben wir ergänzt.

   

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BAM, die Baikal - Amur - Magistrale

(Texte)
Description : 

Wie kamen wir überhaupt auf diese Idee?

Nun, vergangenes Jahr suchten wir nach einem Weg durch Russland, vom Baikalsee nach Osten, der nicht auf der Transsibirischen Magistrale entlang geht. Denn nun endlich fast durchgängig asphaltiert, wird diese Strasse nun für den gesamten Autoimport aus Japan genutzt, sowie für Gütertransport und so achtet man mehr auf den Verkehr als auf die Landschaft, welche immer dann schöner ist, wenn kein Asphalt die Straße ziert. Soviel haben wir in drei Jahren Lehrzeit nun gelernt.

Und irgendwie fiel der Blick auf diese weiße Straße dort oben. Dass sie überhaupt als durchgehende Straße dargestellt war, ist der Ignoranz der Kartographen zu verdanken. Nun reichte uns aber 2010 die Zeit nicht mehr, da uns Sibirien, die Taiga aber ans Herz gewachsen war, hatten wir uns diese Strecke für dieses Jahr vorgenommen.


Schon damals hat uns die Geschichte dieser Gegend fasziniert. Die Idee, ins Nichts hinein eine Eisenbahn zu bauen. Der Pioniergeist der Arbeiter. Das Entstehen einer neuen Welt.

All das ist 35 Jahre her. 1974 wurden die ersten Arbeiter und Arbeiterinnen von Hubschraubern an Orten abgesetzt, mitten in Schnee, um Siedlungen vorzubereiten. Entlang der ganzen noch zu bauenden 3000 km gab es nur eine handvoll einfache Orte am nördlichen Baikalsee sowie Tynda und ein paar Orte vor Komsomolsk. Dazwischen Nichts.

Die Arbeiter mussten erst Infrastruktur schaffen, dann Wege, dann konnte man daran denken, Bahndämme zu errichten. Das eigentliche Verlegen der Schienen ist eigentlich der geringste Aufwand.

Ganze Städte mussten errichtet werden, Schotterwerke, Verbindungsstraßen,  Energieversorgung, was alles dazugehört. Allein für die geschätzen 6,5 Mio Schwellen musste Wald erschlossen werden, dazu all das Holz für die Häuser. Zuerst gab es nur Holzbaracken, dann einzelne Holzhäuser, die heute noch als Datscha genutzt werden. Dann einfache Betonhäuser, schließlich die Mehretager, meist fünfstöckig.

 

Um in einem Land mit "Vollbeschäftigung" so ein Projekt hinzubekommen, musste man sich einiges Einfallen lassen. Viele junge Leute gingen als Komsomolsken dorthin, das war eine Art FSJ. Der Bau der Bahnhöfe und meist der Orte wurde als Patenschaft an große Städte (Moskau, St. Petersburg) oder an die Sowjetrepubliken vergeben. So kamen viele Kaukasier und Zentralasiaten hierher und manch einer ist, trotz der Winterkälte geblieben.

"Der Mensch sei schlimmer als die Hunde, er gewöhne sich an Alles", Zitat eines Azerbaidjaners.

"Es sei zwei Monate im Jahr kalt" schrieb ein Georgier nach Hause, "alle anderen seien saukalt".

 

Die Idee der BAM ist schon recht alt gewesen. Erste Ideen gab es schon von den Dekabristen im (Mitte 19. Jhd.), unter Stalin wurde mit dem Bau im Bereich Komsomolsk und Tynda (Anschluss an die Transsib) begonnen, für den Krieg wichtig war dann die Strecke Komsomolsk - Vanino, denn schließlich gab es auf Sachalin Streit mit den Japanern, welche dann, gefangengenommen, weiterbauen durften.

Nach dem Krieg gab es jedoch genug Probleme, sodass der Weiterbau auf Eis lag. Erst Ende der 60er Jahre nutzte Breschnew den Aufschwung, um das Projekt wieder anzugehen. Schließlich hatte man große Rohstoffvorkommen entdeckt und Händel mit den Chinesen - gleich neben der Transsib, man brauchte eine Alternative.

Eine Bahn durch Permafrost, langen Winter und viel Sumpf, über weite Flüsse sowie durch einige große Gebirge zu bauen, stellte die Ingenieure vor große Aufgaben. Zumal dies alles in zwei Fünfjahresplänen geschehen sollte. Und man brauchte die fertiggestellte Strecke jeweils zur Versorgung der Baustellen. Das führte dann dazu, dass an Stellen, wo ein Tunnel gebaut wurde, zudem auch erst eine Umgehungsstrecke über den Berg gebaut wurde. Im Falle des Severomuisker Tunnels gar zwei: Eine direkte Strecke, steil und mittlerweile auch wieder abgebaut, dann die langjährige und immer noch gepflegte, 50 km längere Nebenstrecke und eben die Tunnelstrecke.

Einen Tag hätte man früher hochgebraucht und einen runter, erzählte uns jemand - dies erscheint uns dann doch sehr langsam, aber wer weiß. Der Tunnel hier wurde erst 2003 fertig.

Der Pflegeaufwand ist enorm. Für jeden Bahnkilometer gibt es mehr als einen Arbeiter, ständig müssen die Holzschwellen getauscht oder zumindest wieder zurechtgerückt werden. Überall entlang der Strecke treffen wir auf Arbeitertrupps, meist Schienenarbeiter, aber auch Elektriker, Brückenbauer, Lakierer, Signaltechniker... Zu tun gibt es genug.

Nachdem in den 90er Jahren der Betrieb fast völlig zum Erliegen kam, rollen mittlerweile die Räder wieder. Entlang der BAM gibt es wieder fast Vollbeschäftigung und die Bahn zahlt nicht schlecht.

 

Die BAM ist nur auf einem Drittel der Gesamtstrecke von 4287 km elektrifiziert und nur auf auf der Strecke, die westlich vor dem Baubeginn schon existierte durchgehend zweigleisig. Zwischendrin sind manche Bergetappen zweigleisig sowie an jeder der etwa 20 km auseinanderliegenden Stationen für etwa 2 km, damit entgegenkommende Züge überhaupt ausweichen können.

Da an der BAM große Kohlevorkommen liegen, die für die Chinesen interessant sind, hören wir bisweilen das Gerücht, ein zweigleisiger Ausbau stehe kurz bevor.Noch aber fahren die Züge langsam, warten stets auf Gegenverkehr und blockieren sich so gegenseitig.

 

Die BAM ist bei Komsomolsk, Novy Urgal sowie Tynda mit der Transsib vernetzt. Die Straßenanbindungen liegen auch nur in etwa hier, Fevralsk statt N. Urgal. Die wenigsten Orte sind jedoch überhaupt frei ansteuerbar. Die Transportlogistik ist nur auf die Eisenbahn ausgerichtet. Das, was wir als Straße benutzt haben, ist für die wenigsten Autos befahrbar. Zumindest im Sommer, solange Wasser und Matsch nicht gefroren sind. Es ist schon erstaunlich, dass es Gebiete gibt mit über hunderttausend Menschen, die nirgendwo hinfahren können. Ausser einmal am Tag mit dem Zug.

40 l Diesel verbrauche eine Lokomotive unter Volllast - pro Minute
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Der Ort Tungala, gebaut von Leningrad aka St. Petersburg
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 Immer schön entlang von Flüssen
Die BAM führt durch wunderschöne Landschaften und so wurde Landschaftsschutz auch beim Bau mit verordnet
Die BAM führt durch wunderschöne Landschaften und so wurde Landschaftsschutz auch beim Bau mit verordnet
Bauarbeiter bei einer Runderneuerung der Schiene?
Bauarbeiter bei einer Runderneuerung der Schiene
Von Westen nach Tynda wurde der zweite Bahndamm schon mitangelget und dient uns häufig als AusweichstreckeVon Westen nach Tynda wurde der zweite Bahndamm schon mitangelget und dient uns häufig als Ausweichstrecke
Amerikanische Dampflok, Museumsstück zwischen Bratsk und Taishet
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Die BAM am Nordende des Baikalsees