Himmel und Wasser

(Landschaft)
      

"Tunnel bauen echte Männer"

(Orte und Leute)
Description : 

Die BAM war an sich schon ein Meisterwerk ihrer Zeit, das Anspruchsvollste waren die Tunnel - wohl auch ein Grund warum einige erst Jahre nach der offiziellen Fertigstellung der Bahnlinie fertig wurden. Und, warum sie heute so gut bewacht werden.

   

tunnel1Um die Strecke schon vorher befahrbar zu machen, wurden an den entsprechenden Stellen Umgehungsstrecken über die Berge gebaut. Diese sind mit Serpentinen, kleinen Tunneln, Galerien und teilweise starken Steigungen fast bewundernswerter als die Röhren selbst.

Das Glanzstück ist der Tunnel von Severomuisk, der mit 15,343 km längste Eisenbahntunnel Russlands. Auch er wurde nicht in Planzeit fertig und konnte erst mit neunzehnjähriger Verspätung in Betrieb genommen werden. Schön ist besonders seine Lage und der Pass darüber. In dem Tunnel sollen zwei unterirdische Flüsse mit Brücken sein, wurde uns erzählt. Wir sehen nur den gut bewachten Eingang und das obligatorische Monument.

   

tunnelWir übernachten oberhalb des Tunneleingangs, es riecht nach Winter und am nächsten Morgen wird der Regen für einige Stunden zu Schnee. Es ist Anfang September und wohl noch nicht kalt genug, denn schon am späten Vormittag ist der Spuk wieder vorbei und wir radeln im Nieselregen weiter. Wir sehen Häuschen die Hoffnungen auf ein trockenes Plätzchen wecken, aber es sind lediglich die Lüftungsschächte des Tunnels und auch diese sind militärisch bewacht.

  

Auch bei Severobaikalsk gibt es mehrere kleine Tunnel die sich entlang des Baikal aneinanderreihen. Viele Monumente gibt es hier die auf die Brigaden der „Tonnelni" hinweisen und sie preisen. In großen, roten Buchstaben wird hier am Berg daran erinnert: „Tunnel bauen echte Männer"!

      

Cash Machine

(Sonstiges)
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Standort Taksimo: wir haben noch fünf Euro in Rubel und drei Bankkarte

 

Abends:

Bankomat 1: Bricht Vorgang nach langem Warten immer wieder ab, Verbindung zur Bank könne nicht aufgebaut werden. Wir fahren fünf Kilometer weiter ins Zentrum.

Bankomat 2: Im Bahnhof, bricht am Ende des Prozesses ohne Fehlermeldung ab.

Bankomat 3: Steht im Kaufhaus, das schon geschlossen hat. Wir fahren raus zum Fluss und kommen am nächsten Tag wieder.

 

Nächster Tag:

Bankomat 3: Zwei EC-Karten und eine Kreditkarte können nicht gelesen werden.

Bank: EC-Karte geht nicht, angeblich falscher PIN

Bankomat 2: Systemausfall.

Bankomat 4: Im Supermarkt, ist seit einigen Tag defekt, nächste Filiale dieser Bank ist 500 km entfernt, wird also noch dauern. Selbst dieser größte Supermarkt akzeptiert keine Kartenzahlung. Wir haben noch 50 Cent.

Bank: Abheben mit Kreditkarte. Kostet uns 17 Euro für 250, 10 Euro an die örtliche Bank, weitere 7 an unsere.

 

P.S.: Das Spektakel geht weiter in Irkutsk. Wir klappern einige Automaten ab, bis wir einen finden, der anstandslos und unbeschränkt ausgibt.

      

Tiplik, mein Tiplik - Häusle für eine Nacht

(Orte und Leute)
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Wir lieben unser Zelt, wir lieben die Freiheit die es uns gibt und das Gefühl zuhause zu sein, wenn auch nur unter seinem kleinen, grünen Dach. Hier aber bekommt es ernsthafte Konkurrenz, die man aber leider nicht mitnehmen kann.

tiplik1Eines Abends noch nicht weit hinter Komsomolsk, wir sind gerade auf der Suchen nach einem ruhigen Schlafplatz und füllen in einem Bach schonmal unsere Wasservorräte auf, erblicken wir etwas vom Weg entfernt neben den Schienen ein kleines Häuschen. Wir schauen es uns näher an und sind schnell begeistert von dem Hüttchen welches aus alten Schwellen gebaut ist und ein Pausenhäuschen für die Bahnarbeiter zu sein scheint.

Innen gibt es Tisch und Bänke und einen Ofen, davor eine Feuerstelle und sogar die Fahrräder finden noch Platz im Häuschen.

Begeistert beziehen wir unser Zuhause für eine Nacht, jeder findet auf einer Bank Platz und am Morgen kochen wir auf der Feuerstelle vor dem Häuschen. Es fällt uns schwer zu gehen.

   

"Tiplik" nennt man diese Hüttchen, das bedeutet in etwa "Wärmehütte", eine wichtige Einrichtung für die Schienenarbeiter, die auch im Winter bei -40 C Grad die Bahnstrecke betreuen müssen. Sie stehen immer nahe an den Schienen und sind mehr oder minder gut ausgestattet. Es geht von schlichten Betonhäuschen mit einfacher Ausstattung bis zu recht großen Hütten mit breiten Bänken, Matrazen und sogar Strom. Auch der Sauberkeitszustand zeigt eine weite Bandbreite - "wie der Hausherr, so das Haus", sagen die Russen.

tiplik3Allen gemeinsam ist ein Ofen aus Eisen, immer selbst geschweisst und in den verschiedensten Formen. Wir übernachten in diesen Tipliks wann immer wir zur passenden Zeit eines finden. Wir müssen so kein Zelt aufbauen, kein Gepäck abladen und können uns in einem geschlossenen Raum bewegen, ein Luxus in teilweise stark mückenbelasteten Gebieten.

Es gibt Streckenabschnitte, da stehen die Tipliks in regelmässigen Abständen am Schienenrand und einmal finden wir zehn Nächte hintereinander ein solches Haus für die Nacht. Dann wieder werden sie rarer oder sind abgeschlossen.

Die Bahnarbeiter raten uns selbst zu den Tipliks und die wenigen Male, bei denen Morgens eine Horde Arbeiter in unser kurzzeitiges Zuhause trampelt, sind diese nett und verständnisvoll und laden uns sogar zum Frühstück ein.

  

Im September, als wir oft im Regen fahren und es dadurch schnell kalt wird, haben wir nur noch selten das Glück auf ein festes Dach zu stoßen. Wenn wir dann aber erschöpft und abgekämpft ein Tiplik finden, wenn das Feuer im Ofen brennt und ein paar Kerzen den kleinen Raum erhellen, dann sind wir zufrieden.