Eine Radwanderung

Werkstattjahr 2011

 

Ein etwas anderer Jahresrückblick

 

Feldwerkstatt



Januar:

Aufgespießt!* In voller Fahrt fällt im Süden Chinas Veronikas rechtes Pedal ab. Die Chinesen freuen sich, uns am Straßenrand bei der improvisierten Reparatur beobachten zu können, "Laowei" sind immer interessant, erst recht, wenn man sie hemmungslos beobachten kann. Einige Tage später gibt es in Kunming neue, gebrauchte Pedale.

 

* Wie transportiert man am Besten einen Ersatzreifen? Ok, wir haben einen Faltreifen, der war uns aber nicht genug. Dann hatten wir immer ein bis zwei Reifen über die Gepäckrolle hängend gespannt. Nicht gefaltet, nichts. Führt aber bei Schwalbe dazu, dass sich die Drähte rausarbeiten. Aber auch erst, wenn man dann den Mantel mal aufgezogen hat. Und diese Drähte punktieren dann die Schläuche...

 

 

 

Flansch geschweißt * In Kunming finden wir mit dem Satz "Wo kann man hier Aluminium schweißen?", ein Freund hatte ihn uns auf Chinesisch notiert, einen entsprechenden Allroundfachmann. Wir lassen abgebrochene Hörnchen flicken und können den Flansch von Veronikas Hinterradnabe wieder vervollständigen, aus dem zwei Speichen herausgebrochen waren. Es war die zweite Reparatur dieser Art an dieser Nabe und sie hält anschließend noch einige Tausend Kilometer.

* Seit dem Schlagloch in Russland, das Matthias beinahe den Rahmen gekostet hätte, haben auch beide Felgen einen Höhenschlag. Schließlich ringt sich Matthias durch und probiert die Holzhammermethode: Schadensbereich ausspeichen, an den Schadenränder gut auflegen und wieder (mit immer nachmessen) sorgsam rausdengeln. Überraschung: geht! einwandfrei!




Aufgerissene FelgeGelötete und gefeilte Felge* Wir waren gerade zwei Tage unterwegs, als an Matthias' Rad die Felgenflanke innen auf einigen cm aufreißt und sich nach außen biegt. Also brauchen wir gleich wieder einen Aluschweißer und finden ihn mit demselben Satz. Eine brauchbare 28"-Felge werden wir hier nicht finden. Er lötet die Felge, Matthias glättet die Naht sorgfältig und die Felge hält noch viele Tausend Kilometer.












Abgerundet - Ein Rädchen des Umwerfers alt und neu* In Vietnam warten wir in Hanoi eine Woche auf das Ende der Feierlichkeiten rund um das dortige Neujahr, um ein Ritzelpaket für Veronika zu kaufen. Es ist der erste Wechsel nach 21.000 km mit zwei Ketten im Wechsel alle 2000 km trotz viel Matsch, Sand und Wasser. Die Plastikrädchen des Umwerfers sind komplett rund.Honoris Causa
 
 
 

 

 

 

 


Als Dreingabe gibt es eine chinesische "Honor-Luftpumpe", ganz und gar nicht klein aber erstaunlich leicht und kräftig - Mit ein paar Pumpstößen auf siebeneinhalb bar ist ein wenig zuviel und so viel einfacher als mit den Minipumpen, die bei uns verkauft werden.

 

 

 

Februar:

Der genähte Mantel* Wir haben je einen brandneuen Schwalbeschlauch als Ersatzschlauch, die beide wohl aus der Schwalbe-Montagsproduktion stammen. Als Veronika ihn in Laos aufziehen will, tut sich wie von Geisterhand nach jeder Reparatur eines Loches noch vor dem Einbauen des Rades ein neues Loch auf. Selbst den Schaulustigen am Marktplatz wird es nach dem dritten Mißerfolg zu langweilig.

* Nicht anders ergeht es Matthias ein paar Tage darauf in der Zeit, als wir getrennt unterwegs sind. Der Kleber geht leer, die Pumpe kaputt, es ist nichts zu machen. Auf einem Markt gibt es immerhin einen 26er Schlauch, aber der dehnt sich ja. Wenn nicht die Butylqualität so schlecht gewesen wäre, hätte er auch mehr als einen Tag gehalten. Aber da man in Laos viele Radler trifft, trifft man auch nen Spanier, der viel zu viele Schläuche hat.

Der Reifenhimmel zu Kaschgar* Schon im vergangenen Jahr hatte sich an Matthias' Rad ein Bremsklotz verdreht und einen vier Zentimeter langen Schlitz in den Schwalbe Marathon Plus Mantel hinterlassen. Der muss nun repariert werden und das geschieht mit Nadel und Faden, doppelte Lage PVC-Gewebe, danach eine Lage PET-Flasche gegen Durchbeulen, dann Klebeband. Hat noch über 10.000 km gehalten und wurde dann verschleißhalber ausgetauscht. Jetzt hängt er im Reifenhimmel von Kaschgar.




März:Ausgerissene Öse

* Veronikas Hinterradnabe verabschiedet sich: Die Lager sind durch und erneut ist ein Stück Flansch ausgebrochen. Wir trafen in Laos James, der eine neue sowie eine wenig gebrauchte Achse mitführte. Letztere hat er uns überlassen und so wird diese nun in Thailand eingespeicht.
* Sputnik-Felgen mögen stabil sein, warum aber sind die inneren Ösen aus rostendem Material? V.a. bei Matthias reisst es ab und an eine Öse aus, die dann mit Beilagscheiben von innen unterfüttert werden muss.

 

 




April:

Rohrbruch* Bei einer Ruckelpistenabfahrt im Süden Yunnans bricht an Matthias Rad das Oberrohr durch, an der Stelle, an der das eingeschweißte Stück endet, das nach einer Reparatur in der Mongolei nötig geworden war - Dauerschwingbruch. Im nahegelegenen Ort gibt es einen LKW-Schweißer, der mit dicker Elektrode aber viel Feingefähl in der Lage ist, Unters Dach gebrachtdas Rohr rundrum zu schweißen. Grob, aber es hält. Später in Dali, China, lässt Matthias noch mit WIG-Technik ein Kanteisen oben entlang aufschweissen - von einer Frau (!), die mit ihrem Mann zusammen Edelstahlgeländer und Möbel herstellt. Er für das Grobe (Schneiden etc.), sie fürs Schweißen.


Mai:

Abgefahren! Marathon Plus (re) gegen Marathon Plus Tour* Auf einigen Umwegen erreicht uns in Dali ein Ersatzteilpaket. Der zweite Marathon Plus Reifen, an Veronikas Hinterrad, wird nach 24.500 km in den Ruhestand geschickt (der Vorderreifen ist nach 34.000 km immer noch im Einsatz). Der Mantel ist mittlerweile glatt und zeigt immer mehr blau aus dem Pannenschutzgürtel durch. Gegen Ende wurden dann die Pannen doch häufiger.

Auch gibt es Ersatz für die gelötete Felge (die auch schon andere Macken trug) und wir speichen wieder einmal um - sicher hätte sie auch noch gut weiter gehalten, aber das wussten wir zu dem Zeitpunkt der Bestellung noch nicht.

* Hollowtech-Tretlager sind leicht und unglaublich einfach im Ein- und Ausbau, quasi werkzeuglos, zumindest wird kein Spezialwerkzeug benötigt. Dafür halten sie auch nicht so lange und nach 12.000 km Lebensdauer wird das zweite seiner Art an Veronikas Rad hinfällig, die Kette schleift bei jedem halben Tritt. Immerhin kann man in Peking Ersatz auftreiben und der Umbau ist schnell getan.


Juni:

* Die Rohloff-Schaltung an Matthias' Rad macht mittlerweile ernsthafte Probleme. War es bislang nur selten der Fall, ist es mittlerweile normal, dass fast die Hälfte der Gänge nicht greift. Es dauert eine ganze Weile, bis klar ist, dass es sich immer um die selben Gänge handelt und welche das sind. Auf dem Weg der Ursachenforschung wird die Rohloff öfters unter die Schraubenzieher genommen. Ansteuerung? Reinigen? Lose Elemente oder sonstige sichtbare Ursachen? Alles Fehlanzeige. Ersatz kommt erst später (s.u.).

* Der Gepäckträger an Matthias' Rad ist nach zwei Umbauten erneut gebrochen. Die Reparatur wird mangels gutem Schweißverfahren rausgezögert, aber jetzt, nachdem wir in Vanino angekommen sind und Sibirien und der Ferne Osten vor uns liegt, braucht es einen stabilen Gepäckträger. Zum Glück treffen wir auf Sergej, der uns Hilfe anbietet, die sich hier anbietet, denn wir sind direkt bei seinem Arbeitsplatz, einer Werft und er findet einen Kollegen, der in der Mittagspause ihn sogar hartlötet. Das hält. Bis jetzt.


Juli:

Geradebiegen des Laufrades* Bei Veronika reißt mehrmals der hintere Schaltzug. Bis wir Ersatz finden, fällt uns allerlei Gefrickel ein und wir reparieren bestimmt vier Mal.
* Auf schlechtem Weg, gepaart mit einer unübersichtlichen und Stelle nach einer Kurve rutscht Matthias in einer Matschpfütze aus und landet nicht nur glimpflich auf der Schnautze, sondern verachtert auch das Laufrad. Mitten in der Taiga. Zum Glück lässt sich sowas zumindest soweit zurückbiegen, dass man weiterfahren kann.


August:

Verwickelte Angelegenheit* Mitten in einer Großpfütze schlägt Veronikas hinterer Umwerfer Kapriolen und wickelt sich in die Speichen. Nach erster Verzweiflung (das Ding ist tot - wie kommen wir hier weg?) pulen wir ihn wieder heraus und spätestens jetzt wissen wir unsere Wasserpumpenzange zu schätzen (auch wenn eine Rohrzange noch besser wäre, aber wer will die noch tragen?) - Wie hätten wir sonst in der Weite der sibirischen Taiga den Umwerfer sowie das Ansatzstück am Rahmen wieder geradebiegen können?

Das Gleiche geschieht im Folgenden noch zwei Mal inklusive Verlust einer Niete am Umwerfer. Ein rostiges Stück Nagel muss durch einen Kabelbinder gesichert werden um noch ein paar Tage durchzuhalten bis wir in der nächsten und einzigen Stadt im einzigen Laden mit Fahrradteilen den einzigen Umwerfer, den es gibt erstehen (natürlich deutlich über Preis, aber welche Wahl gäbe es?). Hier bekommen wir auch einen neuen Schaltzug für diesen Umwerfer.


September:

* In Ulan Bator steht das dritte Umspeichen innerhalb eines Jahres an. Die im März ersetzte Hinterradnabe hatte einen Geburtsfehler und ist durch diesen nun an Lager und Freilaufhalteschraube zerschlissen. Statt XT nun LX, was uns als Lastentauglicher beschrieben wurde.

* Matthias tauscht seine Bremsgriffe und einige Züge, in Russland hatten wir gutes Material bekommen. Auch Veronika tauscht vorne die Bremszüge, wir nutzen die Zeit zu einer Generalwartung und zum Schweißen von Aluteilen - diesen Schweißer kennen wir noch vom letzten Jahr.


November:

Erste Hilfe* Nicht nur, dass uns auf dem spiegelglatten Asphalt chinesischer Autobahnen täglich Speichen brechen und dass täglich Platten zu reparieren sind, auch Veronikas Hinterradfelge platzt auf, diesmal wieder außen. Der Zettel mit dem Satz zum Finden eines Aluschweißers hat sich mittlerweile aufgelöst, außerdem machen wir uns nicht viel Hoffnung, hier jemanden zu finden. 1000 km noch bis Kaschgar. Dort erwartet uns Ersatz aus Deutschland - vor Ort findet man derartige Felgen nicht (28er Hohlkammer, geöst), die Chinesen fahren nur 26er oder die alten Stahlfelgen, die für Bremsen gemacht sind, die von "unten" (also von zentral) auf die Felge wirken.

Veronika fährt mit vermindertem Druck und mit gelöster Felgen noch bis zum Abend, Matthias hat mittlerweile die letztenendes erfolgreiche Idee: Die Felge über den etwa 10 cm breiten Riss hinweg grob aufrauen (mit Messer kreuzweise anritzen), dann Zweikomponentenkleber anrühren (der glücklicherweise hier sehr billig ist) und mit diesem eine Lage Verbandmull aufkleben, so dass der Mull am Ende ganz im Kleber eingebettet ist. Sobald der Kleber grifftrocken ist, wird das alles über dem Kocher durchgehärtet - gerade so heiß, dass es gerade nicht ankohlt.

Guter Chinesischer SchlauchÜberraschung: Hält, hält die 1000 km nach Kaschgar und da eigentlich eine andere Felge ausgetauscht werden sollte, führen wir sie nun als Ersatzfelge mit.

* Umspeichen Nummer vier und fünf: Die Felgen waren angekommen (28er Felgen sind für die normale Post zu groß. Daher ließen wir sie uns privat nach Shanghai bringen, dort einem Freund übergeben, der sie mit chinesischem Kurier nach Kaschgar sandte). Nun haben wir zwei neue Sputnikfelgen für die Heimfahrt.

* Außerdem kommt das Ersatzgetriebe von Rohloff an und Matthias tauscht dieses. Auch wenn es mit Dichtung und abgerissenen Schrauben noch Probleme gibt, lassen sich nun wieder alle Gänge fahren.




Achtung:

Diese Zusammenstellung umfasst lediglich Reparaturen und Operationen, die direkt am Fahrrad erfolgten und die weder Bagatellen sind (Flicken) noch normale Wartung (Bremsklötze tauschen, Kette pflegen, Kette wechseln (Veronika), Pedale fetten, Ölwechsel Rohloff und vergleichbares).

Basteleien an Kleidern, Radtaschen, Zelt, Kocher, Computer, Schuhen und sonstigen Körperteilen haben wir Euch hier erspart.